Erste Hilfe bei Stürzen

Was tun, wenn Ihr Angehöriger gestürzt ist?

Rebecca Goldbach | 1. September 2014

Gerade bei Pflegebedürftigen und Menschen im höheren Alter sind Stürze die häufigste Verletzungsursache. Wenn Ihr Angehöriger gestürzt ist, sollten Sie vor allem Ruhe bewahren und feststellen, ob dieser sich verletzt hat.
Erste Hilfe nach Stürzen

Stürzt ein Pflegebedürftiger ist schneller erste Hilfe nötig, denn die Möglichkeit, dass eine schwere Verletzung vorliegt, ist hoch. | Foto: © Miriam Dörr – Fotolia.com

Laut Altenpflege.de stürzt jeder Dritte über 65-jährige einmal im Jahr, bei den über 80-jährigen sogar jeder Zweite. Ursachen sind meist nachlassende Muskelkraft, Wahrnehmungsstörungen oder nachlassende Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit. Daraus resultieren Schwierigkeiten, mit Hindernissen zurecht zu kommen und Stürze abzufangen.

Außerdem nimmt im Alter die Gefahr zu, sich tatsächlich zu verletzen. Das liegt daran, dass die Knochenstruktur poröser wird, meist Krankheiten vorliegen, die die Muskeln schwächen und somit anfälliger für Verletzungen machen, und Gelenke bereits Verschleißerscheinungen aufzeigen. Eine leider sehr häufige Sturzverletzung ist der Oberschenkelhalsbruch, aber auch Hämatome, Quetschungen oder Verstauchungen können vorkommen. Es ist also sehr wichtig, schnell Hilfe zu leisten.

Erste Hilfe Maßnahmen nach einem Sturz

Wenn Sie Ihren Angehörigen nach einem Sturz vorfinden, sollten Sie vor allem Ruhe bewahren. Hektische oder unüberlegte Handlungen richten eher Schaden an, als dass sie nützen. Halten Sie sich stattdessen an folgende Tipps:

  • Ist Ihr Angehöriger nicht ansprechbar, rufen Sie sofort den Notarzt. Wenn kein Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung besteht (z.B. wegen unnatürlicher Haltung), bringen Sie sie oder ihn in die stabile Seitenlage. Entfernen Sie sich auf keinen Fall länger als ein paar Sekunden von der Unfallstelle und kontrollieren Sie regelmäßig Atmung und Herzschlag bis der Arzt eintrifft. Eine Decke verhindert währenddessen die Auskühlung.
  • Wenn Ihr Angehöriger ansprechbar ist, beruhigen Sie sie oder ihn zunächst. Sprechen Sie Ihren Verwandten dabei mit dem Namen an und stellen Sie einfache Fragen (z.B. nach den Namen der Kinder oder des Haustiers), um eine eventuelle Verwirrung festzustellen, die auf eine Gehirnerschütterung hindeuten kann.
  • Fragen Sie gezielt nach, was passiert ist und wo Schmerzen auftreten. Denken Sie daran, dass ein eventueller Schockzustand Schmerzen im ersten Moment unterdrücken kann.
    Achten Sie auf Anzeichen von Verletzungen – sind Schürfwunden oder blaue Flecken zu sehen? Haben Arme oder Beine eine unnatürliche Stellung? Liegt Ihr Angehöriger in ungewöhnlicher Haltung oder klagt über Kribbeln oder Gefühllosigkeit in den Gliedmaßen? Klagt sie oder er über Kopfschmerzen oder Übelkeit, oder muss sich sogar übergeben? Tritt unerwünschter Harnabgang auf?
  • Sollten Sie all das verneinen und schlimmere Verletzungen sicher ausschließen können, helfen Sie Ihrem Angehörigen auf eine Sitzgelegenheit und versorgen Sie eventuelle kleine Aufschürfungen und kühlen sie Prellungen. Versuchen Sie aber auf keinen Fall, Gliedmaßen selbst wieder einzurenken!
  • Wenn auch nur der kleinste Verdacht auf größere Wunden, eine Gehirnerschütterung, Verrenkungen, Verstauchungen, Brüche oder sonstige (auch innere) Verletzungen besteht, rufen Sie sofort den Notarzt!

Auch leichte Stürze können Folgen haben

Nicht jeder Sturz muss schlimme Verletzungen zur Folge haben, allerdings kann auch der Schreckmoment des Hinfallens selbst Schaden anrichten. Ihr Angehöriger fürchtet dann möglicherweise einen weiteren Sturz und bewegt sich nur noch zögerlich oder fast gar nicht mehr selbstständig fort. Beobachten Sie Ihren Angehörigen also auch nach einem leichten Sturz weiterhin und sprechen Sie mit ihr oder ihm über den Vorfall. Denken Sie auch daran, dass auch jeder leichte Sturz in die Pflegedokumentation aufgenommen werden muss.

 

Quellen

  1. Standard „Maßnahmen nach einem Sturz“ unter: http://www.pqsg.de/seiten/openpqsg/hintergrund-standard-nachsturz.htm (abgerufen am: 02.04.2014)
  2. Erste Hilfe Tipps – „Sturz“ unter: http://www.uniklinikum-leipzig.de/r-erste-hilfe-tipps.html?kategorie_id=10&modus=detail&type=adults (abgerufen am: 02.04.2014)
  3. Maßnahmen nach einem Sturzereignis unter: http://www.experto.de/b2c/gesundheit/pflege/massnahmen-nach-einem-sturzereignis.html (abgerufen am: 02.04.2014)
  4. Sturz im Alter unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Sturz_im_Alter (abgerufen am: 02.04.2014)