Rollstühle

Welche Arten von Rollstühlen gibt es?

Rebecca Goldbach | 12. November 2014

Rollstühle erleichtern gehbehinderten Menschen die Fortbewegung und gelten daher als Pflegehilfsmittel. Es gibt sie in verschiedenen Ausführungen, die an unterschiedliche Bedürfnisse angepasst sind.
Rollstühle

Rollstühle helfen schwachen und kranken Menschen bei der Bewältigung ihres Alltags. | Foto: © Peter Atkins – Fotolia.com

Ein Rollstuhl ist ein Hilfsmittel für Menschen, die durch eine körperliche Beeinträchtigung zeitweise oder dauerhaft auf Unterstützung beim Gehen angewiesen sind. Er wird auch Krankenfahrstuhl genannt und gilt als Mobilitätshilfe, nicht als Therapiegerät.

Wie finanziere ich einen Rollstuhl?

Rollstühle gelten als Hilfsmittel der Produktgruppe 52, also als Pflegehilfsmittel zur selbstständigeren Lebensführung und Mobilität. Die Krankenkasse stellt Ihnen demnach einen Rollstuhl zur Verfügung, wenn Sie ein ärztliches Attest mit medizinischer Begründung für die Notwendigkeit eines solchen Hilfsmittels vorweisen können. Es besteht jedoch kein Anspruch auf einen neuen Rollstuhl. Zudem müssen alle gewünschten Zusatzausstattungen, die medizinisch nicht erforderlich sind, selbst gezahlt werden. Der gesetzliche Eigenanteil für Sie beträgt, sofern keine Zuzahlungsbefreiung vorliegt, zehn Prozent des Vertragspreises des Rollstuhls (zwischen fünf und zehn Euro im Monat). Erforderliche Reparaturen werden von der Kasse übernommen, sofern der Rollstuhl ordnungsgemäß verwendet, aufbewahrt und gepflegt wurde.

Welcher Rollstuhl ist der richtige für mich?

Ein Rollstuhl sollte bequem und für Ihre Bedürfnisse geeignet sein. Es gibt verschiedene Ausführungen und Modelle, die sich vor allem darin unterscheiden, wo und wie sie eingesetzt werden. Wägen Sie daher ab, wo Sie den Rollstuhl am häufigsten nutzen werden – benötigen Sie ein Gerät, mit dem Sie sich auf der Straße fortbewegen können oder eines, das auch in der Wohnung einsetzbar ist? Ein Sanitätshaus oder der Berater Ihrer Pflegekasse kann Ihnen bei der Entscheidung helfen.

Wichtig sind zudem Ihre Größe und Ihr Gewicht. Daraus ergeben sich die Sitzbreite und -tiefe, die Höhe der Rückenlehne und die Sitzhöhe. Sie sollten bequem und sicher sitzen können, ohne eingeengt zu werden oder im Sitz hin und her zu rutschen. Die Rückenlehne sollte unterhalb der Schulterblätter enden, damit sie zwar gestützt werden, aber noch genug Bewegungsfreiheit zum Bedienen der Räder haben. Idealerweise können Sie bei Rollstühlen für den Innenbereich Ihre Füße bequem auf die Fußrasten stellen, aber auch mit den Fußsohlen bis auf den Boden gelangen, um sich so mit Fußbewegungen fortzubewegen. Dies ist in der Wohnung oft bequemer und verringert das Risiko, sich die Hände zwischen Rad und Türrahmen zu klemmen.

Je nach Ihren Bedürfnissen ist das eine oder andere Modell für Sie das richtige. Folgende Unterscheidungen werden von Kranken- und Pflegekassen in der Regel getroffen:

  • Standardrollstuhl: Selbstfahrermodell; Gestell aus Stahlrohr (oft faltbar); nur elementare Ausstattung, daher eher für zeitlich begrenzte Benutzung gedacht (z.B. als Schieberollstuhl in Kliniken)
  • Leichtgewichtrollstuhl: ähnlich dem Standardrollstuhl, allerdings aus leichterem Material, das den Transport des Geräts erleichtert; meist etwas individuellere Ausstattung möglich, weswegen das Modell auch teurer ist
  • Multifunktionsrollstuhl: bietet verschiedene Sitz- und Rückenpolsterungen sowie Möglichkeiten zum Verstellen der Rückenlehne und des Sitzes; kann nicht allein bedient werden und hat ein recht hohes Gewicht; wird meist bei schwerstmehrfachbehinderten Personen eingesetzt, um deren Lagerung zu erleichtern
  • Aktiv-Rollstühle: Rollwiderstand und Gewicht des Modells sind soweit reduziert, dass eigenständige Bewegung leicht fällt; viele Anpassungen und Zusatzausstattungen möglich; sollte unbedingt bei einem erfahrenen Medizinprodukthersteller bezogen und ausreichend ausprobiert werden

Es gibt noch eine Reihe weiterer Bezeichnungen und Modelle, die sich aber in meist in diese Kategorien einteilen lassen. Eine Ausnahme ist der elektrische Rollstuhl, der einen Elektromotorantrieb, Bremsen und eine Beleuchtung besitzt, und auch als Fortbewegungsmittel im Straßenverkehr nutzbar ist. Bis zu einer Geschwindigkeit von 6km/h ist die Benutzung eines solchen Krankenfahrstuhls auch ohne Führerschein erlaubt, Sie müssen sich jedoch an die geltende Straßenverkehrsordnung halten und dürfen nur in Schrittgeschwindigkeit fahren, selbst wenn Sie ein Modell mit einer höheren Geschwindigkeitsstufe besitzen.

Welche Zusatzausstattungen gibt es?

Es gibt verschiedene Extras, die Sie für Ihren Rollstuhl auf eigene Kosten bekommen können. Dazu zählen beispielsweise Steckachsen, die das Abnehmen der Hinterräder erleichtern und so den Transport des Rollstuhls in einem PKW ermöglichen. Ein Sitzkissen (z.B: mit Geleinlagen) kann den Komfort in einem Rollstuhl erhöhen und Druckgeschwüre verhindern. Eine Bremse und ein Kippschutz können sich anbieten, wenn Sie mit dem Rollstuhl oft draußen unterwegs sind.

Quellen

  1. Rollstuhl unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Rollstuhl (abgerufen am 29.10.2014)
  2. Was man über Rollstühle wissen sollte unter: http://www.pflegeverantwortung.de/hilfsmittelratgeber/infos-zu-rollstuehlen/134-was-sollte-man-%C3%BCber-rollst%C3%BChle-wissen.html (abgerufen am 29.10.2014)
  3. Rollstuhl unter: http://www.pflegewiki.de/wiki/Rollstuhl (abgerufen am 29.10.2014)
  4. Pflegehilfsmittel unter: http://www.pflege-abc.info/pflege-abc/artikel/pflegehilfsmittel.html (abgerufen am 29.10.2014)