Pflegekosten steuerlich absetzen

So setzen Sie Ihre Pflegekosten steuerlich ab

Jennifer Albrecht | 10. Februar 2015

Häusliche Pflege ist teuer und nur selten werden die Kosten durch die Leistungen der Pflegekasse komplett abgedeckt. Solange Sie ein zu versteuerndes Einkommen haben, können Sie Pflegekosten bei Ihrer jährlichen Steuererklärung geltend machen.
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Auch Pflegekosten können steuerlich abgesetzt werden – allerdings nur bis zu einer bestimmten Höhe. | Foto: © GordonGrand – Fotolia.com

Der Betrag, den Sie am Ende steuerlich absetzen können, entspricht nicht exakt den Ausgaben, die Sie tätigen. Denn von Ihren Ausgaben müssen Sie zunächst jene Beträge abziehen, die bereits von Ihrer Pflegekasse übernommen wurden. Weiterhin ist das Pflegegeld abzuziehen, das Sie monatlich von der Pflegekasse erhalten, und eventuelle Leistungen aus einer privaten Zusatzversicherung. Sollten Sie in einem Pflegeheim untergekommen sein, so müssen Sie kein Pflegegeld abziehen – dafür jedoch eine so genannte „Haushaltsersparnis“ in Höhe von 640€.

Schließlich muss der zu versteuernde Betrag noch mit der sogenannten „zumutbare Belastungsgrenze“ verrechnet werden.

Was ist die zumutbare Belastungsgrenze?

Die zumutbare Belastungsgrenze errechnet das Finanzamt aus der Höhe Ihres Jahreseinkommens, Ihrem Familienstand und der Anzahl Ihrer Kinder. Je nach Kombination der einzelnen Faktoren, wird eine zumutbare Belastungsgrenze festgelegt. Alle Ausgaben, die über diese Grenze hinausgehen, können von Ihnen als „außergewöhnliche Belastung“ steuerlich abgesetzt werden.

Aus folgender Tabelle können Sie sich Ihre Belastungsgrenze selbst errechnen:

Gesamte Einkünfte pro Jahr Ohne Kinder Mit Kindern
Veranlagung als Einzelperson/Single Veranlagung als Ehepaar 1 bis 2 Kinder Mehr als 2 Kinder
Bis 15.340 Euro 5% 4% 2% 1%
15.341€ – 51.130€ 6% 5% 3% 1%
Ab 51.130€ 7% 6% 4% 2%

Zwei Beispiele


Beispiel 1


Sie haben ein jährliches Einkommen in Höhe von 30.000€ und  2 Kinder. Ihre Belastungsgrenze ergibt sich also aus 3% Ihres Jahreseinkommens und entspricht damit 900€.


Beispiel 2


Sie und Ihr Ehepartner haben ein gemeinsames jährliches Einkommen in Höhe von 53.000€, aber keine Kinder. Entsprechend ergibt sich Ihre Belastungsgrenze aus 6% Ihres Jahreseinkommens, also 3.180€.


Welche Pflegekosten Sie steuerlich absetzen können

Folgende Kosten für Ihre Pflege können Sie steuerlich absetzten:

1. Kosten für Pflege und Betreuung

Wenn Sie eine Pflegekraft beschäftigen oder einen Pflegedienst beauftragt haben, pflegerische Tätigkeiten durchzuführen, so können Sie die Kosten dafür steuerlich absetzen. Maximal jedoch nur bis zu einem Betrag von 20.000€ pro Jahr. Zurückerstattet wird höchstens ein Betrag in Höhe von 4.000€, als grundsätzliche Faustregel können Sie sich merken, dass etwa 20% der Kosten erstattet werden, die Sie steuerlich absetzen.

Achtung: Wenn Sie eine Pflegekraft beschäftigen, muss diese sozialversicherungspflichtig beschäftigt werden.

2. Kosten für Haushaltsnahe Dienstleistungen

Wenn Sie eine Putz- oder Haushaltshilfe beschäftigen, so können Sie die Kosten dafür ebenfalls steuerlich absetzen. Hier ist jedoch zu unterscheiden, ob Sie einen Mini-Jobber beschäftigen oder ob Sie einen Arbeitsvertrag mit Sozialabgaben geschlossen bzw. eine Reinigungsfirma beauftragt haben.

Bei einem Mini-Jobber können Sie maximal bis zu 2.550€ jährlich absetzen. Davon erhalten Sie eine Rückerstattung von 20%, maximal jedoch 510€.

Bei einem Dienstleister oder einer Hilfskraft mit sozialversicherungspflichtigem Gehalt können Sie bis zu 20.000€ pro Jahr steuerlich absetzen. Zurück erhalten Sie 20%, maximal jedoch 4.000€.

3. Kosten für Handwerker-Arbeiten

Um eine Wohnung oder ein Haus barrierefrei ausbauen zu lassen, sind häufig teure Umbaumaßnahmen nötig. Die Kosten für diese Umbauten können Sie in Höhe von bis zu 6.000€ jährlich geltend machen. Erstattet erhalten Sie 20%, maximal jedoch 1.200€.

Achtung: Heben Sie unbedingt alle Belege und Rechnungen für die Handwerkertätigkeiten auf. In den Rechnungen müssen die Arbeitskosten separat aufgeführt werden.

4. Außergewöhnliche Belastungen

Als außergewöhnliche Belastung können neben den Kosten für eine Haushaltshilfe auch Heimkosten, Pflegekosten und Krankheitskosten (bspw. für Arztbesuche & Medikamente, deren Kosten von der Krankenkasse nicht übernommen werden). Damit Sie nachweisen können, dass Sie oberhalb der Eigenanteilsgrenze (siehe oben „zumutbare Belastungsgrenze“) liegen, ist es wichtig, dass Sie alle Belege und Rechnungen gut aufbewahren und dem Finanzamt vorlegen.

5. Pauschbetrag für außergewöhnliche Belastungen bei Schwerbehinderung

Sind Sie Inhaber eines Schwerbehindertenausweises, so können Sie bei Ihrer jährlichen Steuererklärung einen Pauschalbetrag geltend machen. Liegen Ihre jährlichen Ausgaben unterhalb des Pauschbetrages, so müssen Sie auch keinen Nachweis über die Kosten erbringen. Liegen Sie darüber, sollten Sie die Belege auf Nachfrage vorlegen können.

Die Höhe des Pauschbetrages ist unterschiedlich. Bei einer 100%igen Behinderung erhalten Sie einen jährlichen Betrag von 1.420€. Sind Sie blind oder wurden als hilflos eingestuft, erhalten Sie 3.700€.

Auch Angehörige können Pflegekosten, die im Rahmen der Pflege eines Elternteils angefallen sind, steuerlich absetzen. Wie das geht, erfahren Sie hier.

Quellen

  1. Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V.: Was sind außergewöhnliche Belastungen?, unter: http://www.vlh.de/wissen-service/steuer-abc/was-sind-aussergewoehnliche-belastungen.html (abgerufen am 14.10.2014)
  2. Krüger, Anja: Wie Sie Pflege-Kosten von der Steuer absetzen, unter: http://rollingplanet.net/2013/08/12/wie-sie-pflege-kosten-von-der-steuer-absetzen/ (abgerufen am 14.10.2014)