Häusliche Pflege finanzieren

Zuschüsse für die häusliche Pflege

Rebecca Goldbach | 1. September 2014

Wenn Sie zuhause von einem Angehörigen oder einem ambulanten Dienst gepflegt werden, haben Sie ein Recht auf Leistungen Ihrer Pflegekasse. Diese werden in Form von Pflegegeld, Sachleistungen oder einer Kombination aus beidem gewährt.
Häusliche Pflege finanzieren

Eine Pflege zuhause kann kostengünstiger als vollstationäre Pflege sein, aber eine gute Finanzierung ist dennoch wichtig. | Foto: © Robert Kneschke – Fotolia.com

Nachdem Sie bei Ihrer Pflegekasse einen Antrag auf eine Pflegestufe gestellt haben, haben Sie nach erfolgter Genehmigung Anspruch auf Leistungen der Pflegekasse. Welche Form der Unterstützung sich für Ihre Bedürfnisse am besten eignet, können Sie selbst entscheiden. Neben der regulären Unterstützung in Form von Pflegegeld und Sachleistungen, gibt es Sonderleistungen für kurzfristige Pflegemodelle und Umbaumaßnahmen.

Pflegegeld

Wenn Sie ausschließlich von einem Angehörigen gepflegt werden, sollten Sie Pflegegeld beantragen. Dieses wird direkt an Sie ausgezahlt und ist für Ihre pflegenden Angehörigen gedacht. Es gilt als finanzielle Anerkennung für die Pflege und nicht als Einkommen, es muss demnach auch nicht versteuert werden. Die Höhe des Pflegegelds richtet sich nach der Pflegebedürftigkeit und beläuft sich pro Monat auf:

Pflegestufe 0: normalerweise keine Auszahlung, bei eingeschränkter Alltagskompetenz 120 Euro
Pflegestufe I: 235 Euro, bei eingeschränkter Alltagskompetenz 305 Euro
Pflegestufe II: 440 Euro, bei eingeschränkter Alltagskompetenz 525 Euro
Pflegestufe III: 700 Euro, keine weitere Aufstockung

Pflegesachleistungen

Wenn Sie auf professionelle Pflege angewiesen sind, aber trotzdem zuhause gepflegt werden wollen, können Sie dies mittels Pflegesachleistungen finanzieren. Ein ambulanter Pflegedienst übernehmen dann die pflegerische und hauswirtschaftliche Versorgung. Diese Dienste haben in der Regel einen Versorgungsvertrag mit der Pflegekasse abgeschlossen und rechnen direkt mit ihr ab. Sie bekommen also die Leistung anstatt des Geldes.

Pflegestufe 0: normalerweise keine Auszahlung, bei eingeschränkter Alltagskompetenz 225 Euro
Pflegestufe I: 450 Euro, bei eingeschränkter Alltagskompetenz 665 Euro
Pflegestufe II: 1.100 Euro, bei eingeschränkter Alltagskompetenz 1.250 Euro
Pflegestufe III: 1.550 Euro, keine weitere Aufstockung bei eingeschränkter Alltagskompetenz
In Härtefällen: bis zu 1.918 Euro

Bei Menschen, die aufgrund von Demenz, Verwirrtheit oder psychischen und geistigen Krankheiten unter eingeschränkter Alltagskompetenz leiden, können zusätzlich anerkannte Betreuungsangebote gefördert werden. Bei leichteren Fällen werden Angebote bis zu einer Höhe von 100 Euro pro Monat bezahlt, bei schwereren bis zu einer Höhe von 200 Euro pro Monat.

Eine weitere Form der Sachleistung sind Pflegehilfsmittel. Technische Hilfsmittel (z.B. Pflegebetten oder Hausnotrufsysteme) werden von den Kassen meist leihweise und kostenlos zur Verfügung gestellt. Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (z.B. Desinfektionsmittel, Bettschutzeinlagen oder Einmalhandschuhe) werden auf Ihren Antrag hin von der Pflegekasse bis zu einem Wert von 31 Euro pro Monat übernommen.

Kombinationsmöglichkeiten

Wenn Sie eine überwiegend durch Ihre Angehörigen durchgeführte Pflege wünschen, jedoch einige Aufgaben besser von einer professionellen Kraft erledigt werden sollten, ist auch eine flexible Kombination aus Pflegegeld und Sachleistungen möglich. Die Kosten für die Sachleistung werden dann anteilig vom Pflegegeld abgezogen und Sie bekommen den restlichen Betrag ausgezahlt.

Eine Möglichkeit der Kombination ist die teilstationäre Pflege, bei der Sie entweder die Tages- oder die Nachtpflege in Anspruch nehmen können, wenn Ihre Pflegeperson zu bestimmten Zeiten verhindert ist. Das Modell wird von der Pflegekasse mit bis zu 450 Euro bei Pflegestufe I, bis zu 1.100 Euro bei Pflegestufe II und bis zu 1.550 Euro bei Pflegestufe III unterstützt.

Beiträge für Ersatz-, Kurzzeit- und Teilstationäre Pflege

Wenn die Person, die Sie betreut, durch Krankheit oder Urlaub verhindert ist, können Sie in der Zeit für bis zu vier Wochen Ersatzpflege in Anspruch nehmen. Die Kasse zahlt in solchen Fällen im Kalenderjahr bis zu 1.550 Euro. Ersatzpflege kann jedoch erst in Anspruch genommen werden, wenn Sie bereits sechs Monate zuhause gepflegt wurden. Wenn Sie kurzfristig in einem Heim gepflegt werden müssen, weil beispielsweise in Ihrem Zuhause noch Umbaumaßnahmen stattfinden müssen oder keine Ersatzpflege organisiert werden konnte, erhalten Sie für diese sogenannte Kurzzeitpflege maximal für vier Wochen pro Jahr bis zu 1.550 Euro. Diese können Sie schon von Beginn Ihrer Pflegebedürftigkeit an in Anspruch nehmen, in dringenden Fällen auch schon vor der Feststellung der Pflegestufe2.

Zuschüsse Umbaumaßnahmen

Für die Pflege notwendige Umbaumaßnahmen können von der Kasse mit bis zu 2.557 Euro pro Maßnahme bezuschusst werden. Voraussetzung ist, dass durch die Maßnahme die Pflege erheblich erleichtert oder überhaupt erst möglich gemacht wird, oder dadurch Ihre selbstständige Lebensführung erhalten wird. Bei der Berechnung der Höhe des Betrags wird eine Eigenanteil erhoben, der sich nach Ihrem Einkommen richtet. Sie sollten den Zuschuss so früh wie möglich zusammen mit einem Kostenvoranschlag bei Ihrer Pflegekasse beantragen.

Sozialhilfe zur Deckung des Eigenanteils

Wenn die Leistungen der Pflegekasse für die Gewährleistung der Pflege nicht ausreichen, müssen Sie den Restbetrag selbst tragen. Reichen Ihre finanziellen Mittel, und gegebenenfalls die Ihrer Kinder, nachweislich nicht aus, können Sie Sozialhilfe beantragen. Dafür reicht ein formloser Antrag an das zuständige Sozialamt. Sozialhilfe wird nicht rückwirkend gezahlt, daher sollte sie so früh wie möglich beantragt werden. Die vom Sozialamt ausgezahlte Summe beinhaltet die restlichen Pflegekosten und einen Betrag für den Eigenbedarf in Höhe von 100,98 Euro.

 

Quellen

  1. Hilfe zur Pflege: Wenn das Pflegegeld nicht reicht unter: http://www.wohnen-im-alter.de/seniorenratgeber-pflegefinanzierung-sozialhilfe.html (abgerufen am: 23.04.2014)
  2. Finanzierung von Pflegedienstleistungen unter: http://www.serviceportal-zuhause-im-alter.de/finanzierung-pflege.html (abgerufen am: 23.04.2014)
  3. Gerecht, Maja; Dr. Wendler-Hülse, Irene: AOK. Häusliche Pflege. Informationen zu Leistungen und Auswahlmöglichkeiten, Bad Homburg, 2014, S. 6-9.
  4. BARMER GEK: Betreuungsangebote und verbesserte Pflegeleistungen für Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz.
  5. BARMER GEK: Leistungen bei Verhinderung der Pflegeperson.
  6. Kurzzeitpflege unter: http://www.pflege-abc.info/pflege-abc/artikel/kurzzeitpflege.html (abgerufen am 23.04.2014)