Verhinderungspflege

Wie ist Ersatzpflege geregelt?

Rebecca Goldbach | 1. September 2014

Auch während Ihres Urlaubs oder im Krankheitsfall muss die Pflege Ihres Angehörigen gewährleistet sein. Neben anderen Angehörigen, Freunden oder Nachbarn, können auch professionelle Pflegekräfte einspringen. Die Pflegekasse zahlt in solchen Fällen Zusatzleistungen.
Verhinderungspflege

Auch pflegende Angehörige haben Anspruch auf Urlaub. Dafür gibt es die Möglichkeit der Verhinderungspflege, die vier Wochen im Jahr genutzt werden kann. | Foto: © Ocskay Bence – Fotolia.com

Wenn Sie einen Angehörigen pflegen und krank werden, einen Urlaub planen oder eine Pause brauchen, hat ihr Angehöriger Anspruch auf häusliche Ersatzpflege. Diese kann ein anderer Angehöriger oder ein ambulanter Pflegedienst übernehmen.

Wann wird Ersatzpflege von der Kasse unterstützt?

Um Leistungen für Ersatzpflege in Anspruch nehmen zu können, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Die Vorversicherungszeit in der Pflegekasse muss erfüllt, die Pflegebedürftigkeit muss festgestellt worden und die Leistungen bei der Kasse müssen beantragt sein. Die ambulante Pflege muss seit mindestens sechs Monaten erfolgen und entweder ausschließlich oder zumindest teilweise durch eine Privatperson verrichtet werden. Eine Pflegestufe ist nicht mehr nötig, inzwischen können auch Menschen in der sogenannten Pflegestufe 0 Ersatzpflege beantragen, wenn sie unter eingeschränkten Alltagskompetenzen leiden.

Pflegevertretung durch einen ambulanten Pflegedienst

Wird die Urlaubsvertretung der Pflegeperson durch ambulante Pflegekräfte übernommen, stehen dem Versicherten dafür bis zu 1.550 Euro im Kalenderjahr zu, die für maximal vier Wochen gezahlt werden. Zusätzlich wird im selben Zeitraum das Pflegegeld bis zur Hälfte der bisher geleisteten Höhe weitergezahlt. Diese Bedingungen gelten auch, wenn ein Nachbar oder entfernter Verwandter die Pflege übernimmt.

Pflegevertretung durch einen nahen Angehörigen

Wenn eine Privatperson die Ersatzpflege übernimmt, die bis zum 2. Grad mit dem Pflegebedürftigen verwandt oder verschwägert ist oder mit ihm in einer Hausgemeinschaft lebt, werden Leistungen in Höhe des bisher gezahlten Pflegegeldes gezahlt. Sollte die einspringende Person durch die Pflege zusätzliche Kosten haben, beispielsweise durch Verdienstausfall oder Fahrtkosten, erstattet die Kasse bis zu insgesamt 1.550 Euro im Kalenderjahr. Entscheidender Unterschied zur Auszahlung der Summe bei einem ambulanten Pflegedienst: Das Pflegegeld wird hier nicht zusätzlich gezahlt, sondern ist in den 1.550 Euro enthalten. Fahrtkosten etc. werden also von dem noch übrig gebliebenen Betrag erstattet.

Pflegevertretung durch eine stationäre Einrichtung

Findet die Verhinderungspflege in einer stationären Einrichtung statt, z.B. einem Pflegeheim oder einem Wohnheim für Behinderte, werden die pflegebedingten Kosten bis zum Höchstbetrag von 1.550 Euro von der Kasse übernommen. Hotel- und Investitionskosten, sowie eventuelle Zusatzleistungen müssen selbst getragen werden.

Stundenweise Ersatzpflege

Es besteht die Möglichkeit, Ersatzpflege auch stundenweise in Anspruch zu nehmen, um Beispielsweise Amtstermine oder Freizeitaktivitäten wahrnehmen zu können. Die Kasse übernimmt diese ebenfalls bis zu vier Wochen (also 28 Kalendertage) und bis zu einem Betrag von 1.550 Euro pro Kalenderjahr. Tage, an denen die Pflegeperson weniger als acht Stunden verhindert ist, werden in die 28 Tage nicht eingerechnet. Das bedeutet, dass das Pflegegeld für diese Tage ungekürzt weitergezahlt wird und lediglich der Betrag für die Ersatzpflege von den 1.550 Euro abgezogen.

Unterschied zur Kurzzeitpflege

Die Verhinderungspflege weist Ähnlichkeiten mit dem Modell der Kurzzeitpflege auf, sollte allerdings nicht damit verwechselt werden. Um Anspruch auf Verhinderungspflege zu haben, muss der Pflegebedürftige wie oben erwähnt schon mindestens sechs Monate häuslich gepflegt worden sein. Zudem wird Verhinderungspflege meist ambulant durchgeführt. Kurzzeitpflege erfolgt vollstationär und kann auch ohne Vorauspflege in Anspruch genommen werden. Nötig ist nur die Anerkennung einer Pflegestufe, diese kann allerdings (bis zu einem Zeitraum von einer Woche ab Inanspruchnahme der Kurzzeitpflege) rückwirkend erfolgen. Kurzzeitpflege kann zudem auch nach Ablauf des jährlichen Anspruchs auf Verhinderungspflege gewährt werden.

 

Quellen

  1. Verhinderungspflege/Urlaubsvertretung unter: http://www.bmg.bund.de/pflege/leistungen/ambulante-pflege/urlaubsvertretung-verhinderungspflege.html (abgerufen am 07.05.2014)
  2. Verhinderungspflege – was ist das? unter: http://nullbarriere.de/verhinderungspflege.htm (abgerufen am: 07.05.2014)
  3. Verhinderungspflege unter: http://www.pflegewiki.de/wiki/Verhinderungspflege (abgerufen am: 07.05.2014)
  4. Pflegevertretung (Ersatzpflege / Verhinderungspflege) unter: http://www.pflege-abc.info/pflege-abc/artikel/verhinderungspflege_ersatzpflege.html (abgerufen am 07.05.2014)
  5. BARMER GEK: Leistungen bei Verhinderung der Pflegeperson.