Pflege-WGs

Ist eine Pflege-WG eine Alternative zum Heim?

Rebecca Goldbach | 1. September 2014

Viele Pflegebedürftige möchten so lang es geht in ihrer gewohnten Umgebung bleiben. Pflege-WGs bieten die Möglichkeit, mit anderen Pflegebedürftigen einen Haushalt zu teilen und ambulant gepflegt zu werden. Durch die Pflegereform werden solche Wohnarten besonders gefördert.
Pflege-Wohngemeinschaften

Pflege-WGs ermöglichen eine möglichst selbstständige Lebensweise. Daher wird diese besondere Wohnform seit kurzem besonders gefördert. | Foto: © Robert Kneschke – Fotolia.com

Das Modell der Pflege-Wohngemeinschaften sieht vor, dass pflegebedürftige Menschen gemeinsam in einer Wohnung oder einem Haus leben, aber dennoch eigene Zimmer haben, in die sie sich zurückziehen können. Meist leben etwa acht bis zehn Bewohner zusammen, die alle von einer Pflegeperson oder einem ambulanten Dienst gepflegt werden. Sie können, anders als in vielen Pflegeheimen, selbstständig über ihren Tagesablauf entscheiden. Ein Sonderfall sind Demenz-Wohngemeinschaften, in denen in der Regel eine 24-Stunden-Betreuung stattfindet.

Vorteile einer Pflege-WG

Der wohl offensichtlichste Vorteil einer Pflege-WG ist die Aufrechterhaltung der selbstständigen Lebensweise trotz Pflegebedürftigkeit. Die WG-Bewohner können weiterhin selbstbestimmt ihrem Tagesablauf nachgehen, und haben dennoch immer eine Pflegeperson in der Nähe. Auch das Gemeinschaftsleben spielt eine große Rolle für das Wohlbefinden, die Bewohner können sich austauschen und gemeinsam Zeit verbringen. Auch können Familienangehörige jederzeit vorbeikommen, ohne an Besuchszeiten gebunden zu sein. Nicht zuletzt sind auch die Kosten ein Grund, sich für eine Pflege-WG zu entscheiden, denn die Eigenleistungen für eine solche Wohnform sind laut dem Pflege Abc oft geringer als die Kosten für die Unterbringung in einem Heim.

Nachteile einer Pflege-WG

Wie auch in normalen Wohngemeinschaften kann es in Pflege-WGs zu Konflikten zwischen den Bewohnern kommen. Da diese sich, anders als in einem Pflegeheim, schwer aus dem Weg gehen können, müssen Probleme möglichst schnell gelöst werden, damit es nicht zu ernsthaften Streitigkeiten innerhalb der Wohngruppe kommt. Die Betreuer der WGs sollten bereits von Anfang an darauf achten, ob neue Bewohner in die Wohngruppe passen. Allerdings ist dies in der Realität oft schwer einzuschätzen, weswegen das Risiko von Konflikten nie ausgeschlossen werden kann. Auch die Betreuer selbst sollten fachlich und menschlich mit der Arbeit in einer Pflege-WG zurechtkommen. Dem Pflege-Selbsthilfeverband zufolge werden oft nur wenige Stunden am Tag mit zwei Mitarbeitern bestritten, während die Pflegekräfte ansonsten allein mit mehreren Bewohnern umgehen müssen, was zu Überforderung führen kann. Für demente Menschen mit viel Bewegungsdrang ist eine Pflege-WG ebenfalls nicht unbedingt die beste Lösung, da es oft keinen angeschlossenen Garten und nur wenig Wohnfläche zur freien Verfügung gibt.

Finanzierung

In einer Pflege-WG werden zwei voneinander unabhängige Verträge abgeschlossen – der Mietvertrag für die Wohnung und der Pflege-Vertrag mit dem Pflegepersonal bzw. dem ambulanten Pflegedienst. Je nachdem wie hoch die einzelnen Kosten für diese Verträge sind, kann der Endbetrag für die Pflege-WG also variieren.

Generell gilt: Für die pflegerische Versorgung wird Pflegegeld von der Kasse gezahlt, da die Wohngemeinschaft zur ambulanten Pflege zählt. Die Pflegeleistungen der Bewohner können auch zusammengelegt werden, um eine bessere Versorgung zu gewährleisten. Dieses sogenannte „Poolen“ kann der Wohngemeinschaft zugutekommen, da eventuell noch nicht genutzte Geld- oder Zeitreserven des ambulanten Pflegedienstes so auf alle übertragen, und für Zusatzleistungen wie einen Vorleseservice genutzt werden können.

Wenn mindestens drei pflegebedürftige Bewohner in der Wohngemeinschaft leben, diese unabhängig darüber entscheiden können, welche Leistungen für sie erbracht werden sollen, und die WG darauf ausgerichtet ist, eine gemeinschaftliche pflegerische Versorgung zu gewährleisten, können zusätzliche Leistungen bei der Kasse beantragt werden. Diese belaufen sich auf monatlich 200 Euro pro Person, und können beispielsweise für die Mietkosten verwendet werden.

 

Quellen

  1. Demenz-Wohngemeinschaften unter: http://www.pflege-abc.info/pflege-abc/artikel/demenz_wohngemeinschaften.html (abgerufen am 09.07.2014)
  2. Pflege-Wohngemeinschaft unter: http://www.pflegewiki.de/wiki/Pflege-Wohngemeinschaft (abgerufen am 09.07.2014)
  3. Senioren-Wohngemeinschaft unter: http://www.bmg.bund.de/pflege/leistungen/ambulante-pflege/senioren-wohngemeinschaft.html (abgerufen am 09.07.2014)
  4. Was ist eine WG? Warum ist sie kein Heim? unter: http://www.pflegeverantwortung.de/pflege-wohngemeinschaft17/35-wohngemeinschaft-heim.html (abgerufen am 09.07.2014)
  5. Pflege-WG kritisch betrachtet unter: http://www.pflege-shv.de/index.php?page=pflege-wg (abgerufen am 09.07.2014)
  6. Ratgeber zur Pflege. Alles, was Sie zur Pflege wissen müssen, Berlin, 2013, S. 48 – 52.