Wie finanziert sich die Pflegeversicherung?

Beitragsberechnung, Zuschläge und Grenzen

Jennifer Albrecht | 3. September 2014

Die gesetzliche Pflegeversicherung wird zu gleichen Teilen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern finanziert. Wer jedoch kinderlos ist oder in Sachsen wohnt, muss mit einigen Abweichungen rechnen.
Finanzierung der Pflegeversicherung

Arbeitnehmer und Arbeitgeber zahlen automatisch in die gesetzliche Pflegeversicherung ein, da es sich dabei um einen Teil der Sozialversicherungen handelt. | Foto: © Robert Kneschke – Fotolia.com

Der Beitrag für die gesetzliche Pflegeversicherung wird zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber aufgeteilt, sodass beide im Normalfall den Beitrag zu gleichen Teilen finanzieren. Der vom Arbeitnehmer geleistete Teil wird – wie auch die Beiträge für Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung – vom Bruttogehalt abgezogen.

Der Beitragssatz wurde zum 01. Januar 2013 erhöht, sodass er nun 2,05% des Bruttogehalts beträgt. Bis zum 31. Dezember 2012 betrug der Beitragssatz noch 1,95%. Für Kinderlose fällt seit dem 01. Januar 2005 ein Beitragszuschlag in Höhe von 0,25% an, sodass deren Beitragssatz bei 2,3% des Bruttogehalts liegt. Dieser Beitrag wird jeweils zu 50% vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer bezahlt: Jeweils 1,025% für Arbeitnehmer und Arbeitgeber, bzw. 1,275% für kinderlose Arbeitnehmer.

Gibt es Ausnahmen für den Beitragszuschlag?

Der Beitragszuschlag gilt tatsächlich nicht für alle Kinderlosen. Den Zuschlag muss nicht zahlen, wer kinderlos ist, aber

  • vor dem 01. Januar 1940 geboren ist,
  • das 23. Lebensjahr noch nicht beendet hat,
  • Arbeitslosengeld II (ALG II) bezieht,
  • aufgrund von körperlicher, geistiger oder seelischer Behinderung seinen Unterhalt nicht selbst bestreiten kann.

Warum jemand kinderlos ist, hat keine Bedeutung. Das bedeutet, dass auch Menschen, die aufgrund von körperlichen Einschränkungen keine Kinder bekommen können, diesen Beitrag zu leisten haben.

Grundsätzlich wird bei der Erhebung des Beitragszuschlages jedoch das Existenzminimum berücksichtigt. Wer also aufgrund seines niedrigen Einkommens auf Sozialhilfe bzw. Grundsicherung zurückgreifen muss und den Beitragszuschlag leisten muss, erhält automatisch höhere Leistungen.

Übrigens: Beiträge für die Sozialversicherungen steigen nicht ins Unermessliche. Liegt das jährliche Gehalt über 47.250€ (3.937,50€ pro Monat) werden darüberhinausgehende Einnahmen nicht mehr für die Kranken- bzw. Pflegeversicherung herangezogen.

Ausnahme Sachsen

In Sachsen läuft es, was die Beiträge für die gesetzliche Pflegeversicherung angeht ein wenig anders. Während im restlichen Bundesgebiet ein Feiertag abgeschafft wurde, um die Pflegeversicherung zu finanzieren, ist dies in Sachsen nicht passiert. Aus diesem Grund müssen Arbeitnehmer in Sachsen einen höheren Anteil des Beitrages übernehmen. So zahlen Arbeitnehmer in Sachsen regulär 1,525% des Beitrages, kinderlose Arbeitnehmer übernehmen 1,775%, während der Arbeitgeber nur 0,525% zahlt.

Wie wird die private Pflegeversicherung finanziert?

Im Gegensatz zu den Beiträgen für die gesetzliche Pflegeversicherung, werden diese im privaten Sektor nicht nach Gehalt gestaffelt. Stattdessen findet hier eine Einordnung nach dem individuellen Versicherungsrisiko statt. Je höher das Eintrittsalter, desto höher ist das Risiko und desto höher ist auch der Beitragssatz. Eine private Pflegeversicherung darf jedoch die Prämien nicht nach Gesundheitszustand staffeln, Vorerkrankungen nicht ausschließen und auch bereits pflegebedürftig Menschen nicht ablehnen. Außerdem werden Kinder beitragsfrei mitversichert.

Auch bei der privaten Pflegeversicherung wird ein Teil des Beitrages vom Arbeitgeber übernommen. Die Verteilung gestaltet sich hier wie bei der gesetzlichen Pflegeversicherung, also 50:50.

Quellen

  1. Ratgeber zur Pflege. Alles, was Sie zur Pflege wissen müssen, Berlin, 2013, S. 16 – 25.