Welche Pflegeleistungen werden erhöht?

Die Leistungen ab Januar 2015 im Überblick

Jennifer Albrecht | 29. Oktober 2014

Mit Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetzes I werden zahlreiche Pflegeleistungen nach oben angepasst. Wie sich die Leistungen ab dem 01. Januar 2015 gestalten, haben wir für Sie kurz zusammengefasst.
Welche Leistungen werden erhöht?

Mit dem Pflegestärkungsgesetz I werden die Pflegeleistungen ab Januar 2015 um mehrere Milliarden Euro erhöht.| Foto: © drubig-photo – Fotolia.com

Die Anpassungen bei den Pflegeleistungen gehen vor allem die Entwicklung der Preise für Dienstleistungen und Güter zurück, denn diese steigen seit Jahren stetig. Entsprechend kommen die Anpassungen vor allem Menschen zugute, die zu Hause von Angehörigen oder einem ambulanten Pflegedienst betreut werden.

Diese Leistungen werden durch das Pflegestärkungsgesetz I erhöht

Pflegegeld ab 01. Januar 2015

Pflegegeld wird monatlich gezahlt, wenn die häusliche Pflege durch Angehörige oder ehrenamtliche Helfer übernommen wird. Eine Kombination mit Pflegesachleistungen (so genannte „Kombinationsleistungen“).

Pflegestufe Leistungen bisher
(monatlich in €)
Leistungen ab 01. Januar 2015 (monatlich in €)
Pflegestufe 0
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
120 123
Pflegestufe I 235 244
Pflegestufe I
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
305 316
Pflegestufe II 440 458
Pflegestufe II
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
525 545
Pflegestufe III 700 728
Pflegestufe III
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
700 728

Pflegesachleistungen ab 01. Januar 2015

Pflegesachleistungen können in Anspruch genommen werden, wenn die häusliche Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst durchgeführt wird. In Form von „Kombinationsleistungen“ können Pflegesachleistungen mit Pflegegeld kombiniert werden (z.B. wenn sich Angehörige die Pflege mit einem ambulanten Pflegedienst teilen).

Pflegestufe Leistungen bisher
(monatlich in €)
Leistungen ab 01. Januar 2015
(monatlich in €)
Pflegestufe 0
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
225 231
Pflegestufe I 450 468
Pflegestufe I
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
665 689
Pflegestufe II 1.100 1.144
Pflegestufe II
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
1.250 1.298
Pflegestufe III 1.550 1.612
Pflegestufe III
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
1.550 1.612
Härtefall 1.918 1.995
Härtefall
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
1.918 1.995

Pflegehilfsmittelpauschale ab 01. Januar 2015

Unter Pflegehilfsmitteln werden Geräte bzw. Sachmittel verstanden, die die häusliche Pflege erleichtern und dazu beitragen, dem Pflegebedürftigen eine möglichst selbstständige Lebensführung zu ermöglichen.
Unter Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch werden Sachmittel wie Desinfektionsmittel, Bettschutzeinlagen, Mundschutz, Schutzschürzen und Einmalhandschuhe verstanden.

Pflegestufe Leistungen bisher
(monatlich in €)
Leistungen ab 01. Januar 2015
(monatlich in €)
Pflegestufe 0
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
31 40
Pflegestufe I, II, III 31 40

Verhinderungspflege ab 01. Januar 2015

Die Verhinderungspflege kann in Anspruch genommen werden, wenn der pflegende Angehörige oder ehrenamtliche Pfleger Urlaub macht oder wegen Krankheit ausfällt. Die Pflegeversicherung übernimmt in diesem Fall die Kosten für die anfallende Ersatzpflege.

Pflegestufe Leistungen bisher Leistungen ab 01. Januar 2015
Pflegestufe 0
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
1.550€ für max. 4 Wochen pro Kalenderjahr 1.612€ für max. 6 Wochen pro Kalenderjahr
Pflegestufe I, II, III 1.550€ für max. 4 Wochen pro Kalenderjahr 1.612€ für max. 6 Wochen pro Kalenderjahr

Außerdem neu: 50% des Leistungsbetrags für Kurzzeitpflege kann ab dem 01. Januar 2015 für eine Verhinderungspflege angerechnet werden. So kann der Leistungsumfang der Verhinderungspflege auf maximal 150% des Grundbetrages erhöht werden (=2.418€/Kalenderjahr).

Kurzzeitpflege ab 01. Januar 2015

Eine Kurzzeitpflege dient der Bewältigung von Krisensituation, die sich häufig kurz nach Auftreten des Pflegefalls ergeben. Hierbei ist der Pflegebedürftige häufig nur kurzzeitig auf eine vollstationäre Betreuung angewiesen, bis die Angehörigen eine häusliche Pflege organisiert haben. In diesem Falle übernimmt die Pflegeversicherung die Kosten für einen Aufenthalt in einer vollstationären Pflegeeinrichtung.

Pflegestufe Leistungen bisher Leistungen ab 01. Januar 2015
Pflegestufe 0
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
1.550€ für max. 4 Wochen pro Kalenderjahr 1.612€ für max. 4 Wochen pro Kalenderjahr
Pflegestufe I, II, III 1.550€ für max. 4 Wochen pro Kalenderjahr 1.612€ für max. 4 Wochen pro Kalenderjahr

Pflegeleistungen für Teilstationäre Pflege ab 01. Januar 2015

Ist im Tagesverlauf eine teilstationäre Pflege nötig, zum Beispiel weil der pflegende Angehörige tagsüber arbeitet, so können die Leistungen für teilstationäre Tages- und Nachtpflege in Anspruch genommen werden – ab dem 01. Januar sogar zusätzlich zu den Pflegesachleistungen bzw. zum Pflegegeld.

Pflegestufe Leistungen bisher
(monatlich in €)
Leistungen ab 01. Januar 2015
(monatlich in €)
Pflegestufe 0
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
0 231
Pflegestufe I 450 468
Pflegestufe I
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
450 689
Pflegestufe II 1.100 1.144
Pflegestufe II
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
1.100 1.144
Pflegestufe III 1.550 1.612
Pflegestufe III
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
1.550 1.612

Zusätzliche Leistungen für Bewohner von Pflege-WGs ab 01. Januar 2015

Neue Wohnformen, insbesondere Pflege-WGs, bieten den Vorteil, dass Pflegebedürftige sich unter gleichaltrigen aufhalten können, ohne an Selbstständigkeit einbüßen zu müssen. Mittels zusätzlicher Leistungen, können Bewohner von Pflege-WGs auf zusätzliche Betreuungsleistungen wie einen Vorleseservice Zugriff erhalten.

Pflegestufe Leistungen bisher
(monatlich in €)
Leistungen ab 01. Januar 2015
(monatlich in €)
Pflegestufe 0
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
0 205
Pflegestufe I, II, III 200 205

Leistungen für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen ab 01. Januar 2015

Wohnungen müssen häufig angepasst werden, um die Selbstständigkeit von Pflegebedürftigen zu erhalten. Als Maßnahme werden jedoch keine einzelnen Änderungen bezeichnet, sondern jeweils alle Änderungen, die zum Zeitpunkt der Antragstellung nötig sind.

Pflegestufe Leistungen bisher
(monatlich in €)
Leistungen ab 01. Januar 2015
(monatlich in €)
Pflegestufe 0
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
2.557
(bis 10.228€, wenn mehrere Pflegebedürftige zusammen wohnen)
4.000
(bis 16.000€, wenn mehrere Pflegebedürftige zusammen wohnen)
Pflegestufe I, II, III 2.557
(bis 10.228€, wenn mehrere Pflegebedürftige zusammen wohnen)
4.000
(bis 16.000€, wenn mehrere Pflegebedürftige zusammen wohnen)

Leistungen bei Vollstationärer Pflege ab 01. Januar 2015

Leben Pflegebedürftige Vollzeit in einer Pflegeeinrichtung, werden die Kosten teilweise von der Pflegeversicherung übernommen.

Pflegestufe Leistungen bisher
(monatlich in €)
Leistungen ab 01. Januar 2015
(monatlich in €)
Pflegestufe 0
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
0 0
Pflegestufe I 1.023 1.064
Pflegestufe I
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
1.023 1.064
Pflegestufe II 1.279 1.330
Pflegestufe II
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
1.279 1.330
Pflegestufe III 1.550 1.612
Pflegestufe III
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
1.550 1.612
Härtefall 1.918 1.995
Härtefall
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
1.918 1.995

Zusätzliche Betreuungsleistungen ab 01. Januar 2015

Den Betreuungsbetrag erhalten Pflegebedürftige mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz (psychisch kranke, behinderte oder demenziell erkrankte Menschen). Je nach Ausprägung des Betreuungsbedarfs wird ein Grundbetrag oder ein erhöhter Betrag gezahlt.

Pflegestufe Leistungen bisher
(monatlich in €)
Leistungen ab 01. Januar 2015
(monatlich in €)
Pflegestufe I, II, III
(ohne erheblich eingeschr. Alltagskompetenz)
0 104
Pflegestufe 0, I, II, III
(mit eingeschr. Alltagskompetenz)
100 104
Pflegestufe 0, I, II, III
(mit dauerhaft eingeschr. Alltagskompetenz)
200 208

Außerdem neu: Wer seinen Anspruch auf Pflegesachleistungen nicht voll ausschöpft, der kann diesen zusätzlich für niedrigschwellige Betreuungsleistungen nutzen – maximal jedoch 40% des vorgesehenen Betrages für Pflegesachleistungen.

Quellen

  1. Bundesministerium für Gesundheit: Pflegeleistungen nach Einführung des Pflegestärkungsgesetz 1, Berlin, 2014.