Welche Neuerungen gibt es für pflegende Angehörige?

Individualisierbare Leistungen sollen entlasten

Silvana Arndt | 30. Oktober 2014

Pflege ist ein individueller Prozess. Dies wird ab dem 01.01.2015 nun dank des Pflegestärkungsgesetzes I in den realen Alltag übertragen, wovon auch die Angehörigen profitieren.
Angehörige

Dank des Pflegestärkungsgesetzes I werden auch pflegende Angehörige ab dem 01.01.2015 besser unterstützt. | Foto: © Ocskay Bence – Fotolia.com

Das Pflegestärkungsgesetz I (PSG) verspricht mehr Flexibilität und Entlastung sowohl für die Pflegebedürftigen als auch für die pflegenden Personen. Insbesondere die besser zu individualisierenden Angebote zeichnen das neue Gesetz aus. Dazu wird vor allem die finanzielle Belastung in Zukunft gesenkt.

Lohnersatzzahlungen für Angehörige

Pflegende Angehörige sind ein wichtiger Bestandteil der deutschen Pflegelandschaft. Um diese zu entlasten, wurden mehr Spielräume geschaffen. In akuten Situationen, wenn kurzfristig die Pflege eines Angehörigen organisiert werden muss, beispielsweise nach einem Schlaganfall, sollen Arbeitnehmer in Zukunft eine Lohnersatzleistung für eine bis zu zehn Tage dauernde Auszeit erhalten. Dazu wird ein separates Gesetz nähere Regelungen treffen.

Ab 01. Januar 2015 können zudem die Tages- und Nachtpflege in vollem Umfang neben Sach- und Geldleistungen genutzt werden. Bisher wurden diese Leistungen aufgerechnet. Nun steht insgesamt wesentlich mehr Geld zur Verfügung, wodurch eine umfassendere Betreuung auch von demenziell Erkrankten möglich gemacht wird und die Angehörigen mehr Möglichkeiten zur Erholung erhalten.

Ein Beispiel

Ein Pflegebedürftiger konnte bisher für die Kombination Tagespflege und ambulante Pflegesachleistung auf Pflegestufe III bis zu 2.325€ ausgeben. Mit dem PSG I steht nun ein monatlicher Betrag von bis zu 3.224€ zur Verfügung.

Verhinderungs- und Kurzzeitpflege

Angehörige werden auch krank, benötigen Urlaub oder sie haben zusätzliche Termine. Für solche Situationen gab es bisher die Möglichkeit vier Wochen pro Jahr die sogenannte Verhinderungspflege in Anspruch zu nehmen. Dieses Angebot wird ab 2015 auf sechs Wochen ausgeweitet.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit 50% des Leistungsbetrags für die Kurzzeitpflege ebenfalls auf die Verhinderungspflege umzulagern. Dies beläuft sich auf maximal 806€, wodurch die Verhinderungspflege auf insgesamt 150% des bisherigen Betrages erhöht werden kann.

Ein Beispiel

Bisher belief sich die Verhinderungspflege auf maximal 1.550€. Dieser Satz wird nun gemäß dem neuen Gesetz um 4%, also 62€ angehoben, wodurch sich eine Summe von 1.612€ ergibt. Werden nun die 50% von der Kurzzeitpflegeleistung (806€) noch hinzugerechnet, so ergibt sich der neue Betrag der Verhinderungspflege in Höhe von 2.418€.

Niederschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote

Die Möglichkeit, zusätzliche Leistungen zu beziehen, besteht bereits für Pflegebedürftige mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz (z. B. Demenzkranke). Sie beläuft sich auf den Grundbetrag in Höhe von 100€ oder auf den erhöhten Betrag von 200€. Menschen ohne eingeschränkte Alltagskompetenz haben diese Unterstützung nicht erhalten.

Dieses Geld wird nun auf alle Pflegebedürftigen ausgedehnt, die eingeschränkte Alltagskompetenz ist kein notwendiges Kriterium mehr, um den Grundbetrag zu erhalten. Zudem erhöht die Leistung sich auf monatlich 104 bzw. 208€. Braucht ein Pflegebedürftiger außerdem nicht den vollen Bezug der ambulanten Pflegesachleistungen auf, so kann er den übrigen Betrag (maximal jedoch 40 %) ebenfalls umlagern.

Von diesem Betrag können unter anderen niederschwellige Betreuungs- und Entlastungsangebote finanziert werden. Diese müssen jedoch vom Landesrecht anerkannt sein. Dadurch können bestimmte Aufgaben wie beispielsweise Botengänge oder Einkäufe zur Entlastung von den Angehörigen an externe Pflegekräfte oder ehrenamtliche Helfer abgeben werden.

 

Quellen

  1. Bundesministerium für Gesundheit (BGM) zum Pflegestärkungsgesetz http://www.bmg.bund.de/pflege/pflegestaerkungsgesetze/pflegestaerkungsgesetz-i.html (abgefragt am 21.10.2014)
  2. BGM zu neuen Pflegeleistungen http://www.bmg.bund.de/fileadmin/dateien/Downloads/P/Pflegestaerkungsgesetze/Tabellen_Pfegeleistungen_Stand_2_3_Lesung_BT_17102014_.pdf (abgefragt am 21.10.2014)
  3. BGM, Flyer zum Pflegestärgungsgesetz https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/dateien/Publikationen/Pflege/Flyer/Flyer_Die_Pflegestaerkungsgesetze.pdf (abgefragt am 21.10.2014)
  4. AOK zum Pflegestärkungsgesetz http://www.aok-gesundheitspartner.de/bund/pflege/gesetze/index_12036.html (abgefragt am 21.10.2014)
  5. AOK Presseseminar über Neuerungen beim Pflegestärkungsgesetz http://www.aok-gesundheitspartner.de/imperia/md/gpp/bund/pflege/gesetze/aok_bv_presseseminar_pflege_informationen_040914.pdf (abgefragt am 21.10.2014)