Was verändert sich für Pflegebedürftige mit Beeinträchtigung?

Erweiterte Leistungsansprüche

Silvana Arndt | 17. November 2014

Als Ebnung für den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff werden mit dem Pflegestärkungsgesetz I bereits verschiedene Leistungen wesentlich mehr Pflegebedürftigen zugänglich gemacht. Insbesondere an Demenz Erkrankte erhalten erweiterte Leistungen.
Pflegebedürftige mit Beeinträchtigung

Ambulante Leistungen werden mit Einführung des neuen Pflegestärkungsgesetzes I nun auch für Pflegebedürftige mit einer erheblich eingeschränkten Alltagskompetenz zugänglich gemacht. | Foto: © Ocskay Bence – Fotolia.com

Mit der sogenannten „Pflegestufe 0“ werden umgangssprachlich jene Patienten bezeichnet, die eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz aufgrund ihrer Demenzerkrankung aufweisen. Der Pflegeaufwand dieser Personen reicht jedoch noch nicht für die Klassifizierung einer Pflegestufe aus, weswegen viele Leistungen für sie nicht in Frage kommen. Andererseits gibt es Leistungen, welche Patienten mit einer körperlichen Beeinträchtigung verwehrt bleiben. Dies ändert sich nun ab dem 01.01.2015.

Zugang zu ambulanten Leistungen für Pflegestufe 0

Ganz getreu dem Vorsatz, auch die Angehörigen zu entlasten, werden Versicherten mit erheblich eingeschränkter Alltagskompetenz zukünftig auch Leistungen der Tages-, Nacht- und Kurzzeitpflege ermöglicht. Dadurch kann die Pflege teilweise auch von professionellen Kräften übernommen werden. Ebenfalls wird ihnen der Zuschlag für Mitglieder ambulant betreuter Wohngruppen sowie die entsprechende Anschubfinanzierung für die Gründung einer solchen zugestanden.

Leistungen Bis 2014 monatlich (in Euro) Ab 2015 monatlich (in Euro)
Tages- und Nachtpflege 0 231
Kurzzeitpflege 0 1.612 (für Kosten einer notwendigen Ersatzpflege bis zu 4 Wochen pro Jahr)
Ambulant betreute Wohngruppen 0 205

Zusätzlich werden die bereits gewährten Leistungen wie beispielsweise Pflegegeld und Pflegesachleistungen entsprechend der 4% ebenfalls aufgestockt. Insbesondere bei der Wohnraumanpassung erfahren Patienten der Pflegestufe 0 die gleiche finanzielle Aufstockung, wie andere Pflegebedürftige.

Leistungen Bis 2014 monatlich (in Euro) Ab 2015 monatlich (in Euro)
Verhinderungspflege 1.550 (für Kosten einer notwendigen Ersatzpflege bis zu 4 Wochen pro Jahr) 1.612 (für Kosten einer notwendigen Ersatzpflege bis zu 6 Wochen pro Jahr)
Pflegehilfsmittel 31 40
Pflegesachleistungen 225 231
Pflegegeld 120 123
Wohnumfeld verbessernde Maßnahmen 2.557 (bis 10.228, wenn mehrere Anspruchsberechtigte zusammen wohnen) 4.000 (bis 16.000, wenn mehrere Anspruchsberechtigte zusammen wohnen)
Zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen 100 104

Niederschwellige Dienste auch für körperlich Beeinträchtigte

Pflegebedürftige, die keine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz durch beispielsweise Demenz aufweisen, sondern deren Beeinträchtigung vorwiegend körperlich ist (wie z. B. nach einem Schlaganfall), erhielten bisher keine zusätzlichen Betreuungs- und Entastungsleistungen. Dies wird ihnen mit dem Pflegestärkungsgesetz I aber ermöglicht. Ab dem 01.01.2015 stehen ihnen monatlich 104,-€ bzw. 1.248,-€ pro Jahr mehr zur Verfügung.

Damit können sie die anfallenden Kosten für niederschwellige Hilfen wie beispielsweise das Einkaufengehen durch einen Dritten begleichen. Entsprechende Angebote müssen allerdings vom Landesrecht anerkannt sein. Zusätzlich wird Pflegebedürftigen mit einer körperlichen Beeinträchtigung die Möglichkeit eingeräumt, einen Teil der ihnen zustehenden ambulanten Sachleistungen – jedoch maximal die Hälfte – zusätzlich für entsprechende Hilfsangebote einzusetzen.

Quellen

  1. Bundesministerium für Gesundheit (BMG) zum Pflegestärkungsgesetz I http://www.bmg.bund.de/pflege/pflegestaerkungsgesetze/pflegestaerkungsgesetz-i.html (abgefragt am 12.11.2014)
  2. BMG, Flyer über neue Leistungen durch Pflegestärkungsgesetz I http://www.bmg.bund.de/fileadmin/dateien/Downloads/P/Pflegestaerkungsgesetze/Tabellen_Plegeleistungen_BRat_071114.pdf (abgefragt am 12.11.2014)