Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff

Fünf Pflegestufen und ein neues Begutachtungsverfahren

Jennifer Albrecht | 25. November 2014

Das Pflegestärkungsgesetz I ist nur der Anfang einer langen Reihe von Änderungen. Bereits jetzt ist die Einführung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes geplant, der auch ein neues Begutachtungsverfahren mit sich bringen wird.
Der Gehstock

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff wird sich nicht mehr am Arbeitsaufwand orientieren, sondern am Level der Selbstbeständigkeit des Pflegebedürftigen. | Foto: © Hunor Kristo – Fotolia.com

Noch in dieser Legislaturperiode soll auf das erste Pflegestärkungsgesetz das zweite folgen. Dieses bringt neben einem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff auch Neuerungen beim Begutachtungsverfahren und bei den Pflegestufen. Derzeit folgt die Erprobung des neuen Begriffes, um zu prüfen, ob dieser tatsächlich eine Entlastung für die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen bedeutet.

Was genau ist der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff?

Im Grunde wird der aktuelle Pflegebedürftigkeitsbegriff insofern erweitert, dass nun nicht mehr zwischen rein körperlich beeinträchtigten und kognitiv bzw. psychisch beeinträchtigten Personen unterschieden wird. Zukünftig soll der Fokus mehr auf den individuellen Bedürfnissen eines jeden Pflegebedürftigen liegen, die individuelle Pflege steht im Mittelpunkt. Entsprechend werden in diesem Zuge auch die Pflegestufen von 3 auf 5 erweitert und das Begutachtungsverfahren wird angepasst.

So wird zukünftig nicht mehr dahingehend geprüft, wie lange eine ungeschulte Person für die Pflege eines Angehörigen benötigt. Stattdessen wird bewertet, wie hoch das Level an Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen ist: Wie viel kann er/sie noch allein bewältigen und wo wird Hilfe nötig? Die neuen Pflegestufen richten sich demnach nach dem Grad der Selbstständigkeit – je höher die Selbstständigkeit, desto niedriger die Stufe.

Das neue Begutachtungsverfahren

Um den Grad der Selbstständigkeit zu erfahren, werden zukünftig die Aktivitäten in sechs Bereichen untersucht, die für die Pflege von Bedeutung sind. Zum ersten Mal wird dabei auch auf die besonderen Anforderungen und Bedürfnisse von Menschen mit kognitiven bzw. psychischen Beeinträchtigungen geachtet.

Eine der wichtigsten Neuerungen: Mit Einführung des neuen Verfahrens wird nicht mehr der zeitliche Aufwand gemessen, den ein Angehöriger oder ehrenamtlicher Pfleger für die Betreuung eines Pflegebedürtigen benötigt. Stattdessen werden in den jeweiligen Bereichen Punkte vergeben, die den Grad an Selbstständigkeit wiederspiegeln sollen. Anhand dieser Punktevergabe erfolgt dann die Einstufung in eine der neuen fünf Pflegegrade.

Erprobung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes bis Anfang 2015

Seit April 2014 erfolgt die Erprobung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffes mitsamt dem neuen Begutachtungssystem. Dazu wurden deutschlandweit die Gutachter des MDK zunächst auf die neuen Regeln geschult und anschließend 4.000 Pflegedürftige – Kinder und Erwachsene – ausgewählt, die Zuhause oder in einer stationären Einrichtung gepflegt werden. Diese werden nun nach den geltenden und den zukünftigen Regeln begutachtet.

Ziel ist es, herauszufinden, ob die neuen Regelungen auch tatsächlich praktisch umgesetzt werden können und ob bzw. inwiefern sich diese auf die derzeitige Einstufung der Pflegebedürftigen auswirkt. Dabei wird besonders darauf geachtet, ob der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff tatsächlich eine Erleichterung für die Angehörigen und Betroffenen darstellt. Die Ergebnisse der Studien werden Anfang 2015 vorliegen und in den Gesetzgebungsprozess zum neuen Begriff einfließen.

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff soll im Rahmen des Pflegestärkungsgesetzes II bis 2017 eingeführt werden.

Quellen

  1. BMG: Das zweite Pflegestärkungsgesetz, unter: http://www.bmg.bund.de/pflege/pflegestaerkungsgesetze/pflegestaerkungsgesetz-ii.html (abgerufen am 06.11.2014)