Mehr Hilfe und Förderung für pflegende Angehörige

Verbesserung der finanziellen Hilfen und unterstützenden Strukturen

Jennifer Albrecht | 3. September 2014

Viele Menschen versuchen, ihre Angehörigen zunächst ehrenamtlich zuhause zu pflegen. Da pflegebedürftige Menschen häufig rund um die Uhr Hilfe brauchen, können pflegende Menschen nur schwer abschalten. Das soll sich mit den Neuerungen des Pflegeneuausrichtungsgesetzes (PNG) ändern.
Mehr Hilfe und Förderung für Angehörige

Sind pflegende Angehörige überfordert, ist das nicht nur gefährlich für sie selbst, sondern auch für ihren Pflegebedürftigen. | Foto: © drubig-photo – Fotolia.com

Das Pflegeneuausrichtungsgesetz bringt nicht nur für die Pflegebedürftigen selbst viele Neuerungen mit sich, sondern auch für pflegende Angehörige. Wer ehrenamtlich einen Menschen im häuslichen Umfeld pflegt, wird häufig von vielen Sorgen geplagt – egal ob finanzieller oder psychischer Natur. All diesen Sorgen will das PNG begegnen und diese mildern.

1) Weiterzahlung von Pflegegeld bei Verhinderung der Pflegeperson

Damit sich pflegende Angehörigen guten Gewissens auch einmal eine Auszeit gönnen können bzw. die Pflege im Krankheitsfall gesichert ist, können Verhinderungs- und Kurzzeitpflege in Anspruch genommen werden. Bisher war es so, dass das Pflegegeld während diesen beiden Leistungen nicht weiter gezahlt wurde. Mit dem 01. Januar 2013 wird das Pflegegeld auch während Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege zur Hälfte weiter gezahlt. Dies gilt jedoch für maximal 4 Wochen (= 28 Tage) im Kalenderjahr.

2) Rehabilitation und Vorsorge mit dem Angehörigen

Pflegende Angehörige können Rehabilitations- und Vorsorge-Maßnahmen in Anspruch nehmen, tun dies aber häufig nicht, weil sie sich vom Pflegebedürftigen trennen können oder wollen. Durch Inkrafttreten des PNG werden die Rehabilitationseinrichtungen dazu verpflichtet, auf die besonderen Bedürfnisse der Pflegenden einzugehen. Pflegebedürftige Angehörige können nun ihre Pflegepersonen zu Reha-Maßnahmen begleiten.

Außerdem sollen nun auch Müttergenesungswerke und ähnliche Einrichtungen stärker in die Versorgung pflegender Angehörige einbezogen werden.

3) Die Anrechnung rentenrechtlich relevanter Zeiten

Wer pflegebedürftige Menschen ehrenamtlich pflegt, kann sich diese Zeiten rentenrechtlich anrechnen lassen. Bisher galt das jedoch nur für Pflegepersonen, die mindestens einen Pflegebedürftigen mehr als 14 Stunden pro Woche pflegen. Seit dem 01. Januar 2013 können jedoch alle Zeiten angerechnet werden, solange diese in der Woche insgesamt mindestens 14 Stunden ergeben – unabhängig davon ob eine oder mehrere Personen gepflegt werden. Die Pflegebedürftigen müssen jedoch mindestens Pflegestufe I haben.

4) Zuschüsse für Selbsthilfegruppe und Förderungen fürs Ehrenamt

Das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz verpflichtet Pflegekasse dazu, Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige beim Aufbau und Ausbau zu fördern. So müssen sie für jeden Versicherten 10 Cent Zuschuss für Selbsthilfegruppen leisten.
Außerdem wird Ehrenamt nun auch als ergänzendes Engagement zu allgemeinen Pflegeleistungen in stationären Einrichtungen mit Aufwandsentschädigungen gefördert.

 

Quellen

  1. Bundesministerium für Gesundheit: Das Pflege-Neuausrichtungs-Gesetz. Stand: nach der 3. Lesung im Bundestag. Berlin, 2013, S.13-14.