Leistungen zur Wohnraumanpassung

Zur Erleichterung der häuslichen Pflege

Jennifer Albrecht | 3. September 2014

Tritt eine Pflegebedürftigkeit auf, sind häufig nicht nur Veränderungen im sozialen Leben des Betroffenen nötig, sondern auch Anpassungen im Wohnumfeld. Für Umbaumaßnahmen und Umzüge leistet die Pflegekasse finanzielle Zuschüsse.
wohraumanpassung

Menschen, die mobil eingeschränkt sind, haben Bedarf an Anpassungen im Wohnraum. Die Kosten dafür werden zum Teil von der Pflegekasse übernommen. | Foto: © chagpa – Fotolia.com

Die wenigsten Häuser oder Wohnungen sind behindertengerecht gestaltet. Tritt eine plötzliche Pflegebedürftigkeit auf, erfordert dies demnach häufig Umbaumaßnahmen innerhalb und auch außerhalb der Wohnung. Damit der Versicherte und seine Angehörigen diese Maßnahmen nicht vollständig selbst finanzieren müssen, gibt es von der Pflegekasse Zuschüsse in Höhe von 2.557€ pro Maßnahme.

Der Begriff „pro Maßnahme“ ist häufig irreführend. Damit ist nicht gemeint, dass jede einzelne Tätigkeit des Handwerkers bezuschusst wird, sondern es umfasst alle Umbauten, die zum Zeitpunkt der Antragstellung nötig sind. Müssen beispielsweise die Türrahmen vergrößert, Schwellen abgesenkt und Griffhalterungen im Bad angebracht werden, so zählt all dies als eine einzige Maßnahme. Sollten nach der Veränderung der Pflegesituation weitere Umbauten nötig werden, können diese jedoch wieder mit bis zu 2.557€ bezuschusst werden.

iconTipp


Leben Sie in einer Pflege-Wohngemeinschaft, so können Sie Ihre Leistungen mit denen Ihrer Mitbewohner zusammenlegen (das so genannte „Poolen von Leistungen“). Für Pflege-WGs wird ein maximaler Betrag in Höhe von 10.228€ (=4×2.557€) pro Maßnahme gezahlt.


Welche Anforderungen müssen erfüllt werden?

Damit der Zuschuss gezahlt wird, muss die Maßnahme gewisse Anforderungen erfüllen. So muss sie entweder

  • die häusliche Pflege überhaupt ermöglichen,
  • die häusliche Pflege erleichtern oder
  • eine möglichste selbstständige Lebensweise des Pflegebedürftigen ermöglichen.

Durch Umbauten in und um die Wohnung soll eine Überforderung der Pflegeperson möglichst vermieden werden.

Seit dem 01. Januar 2013 können nicht mehr nur Inhaber der Pflegestufen I bis III die Zuschüsse für Wohnraumanpassungen in Anspruch nehmen, sondern auch Menschen mit der so genannten „Pflegestufe 0“.

Den Antrag auf Zuschüsse zur Wohnraumanpassung stellen Sie wie gewohnt bei Ihrer Pflegekasse. Es empfiehlt sich, den Antrag vor Vergabe eines Umbauauftrages einzureichen. Die Notwendigkeit der Maßnahme wird zunächst von der Pflegekasse geprüft. Erfolgt eine Ablehnung, müssen Sie alle Kosten selbst übernehmen.

Welche Maßnahmen zur Wohnraumanpassung werden genehmigt?

Grundsätzlich werden drei Arten von Maßnahmen genehmigt:

  1. Maßnahmen, die mit wesentlichen Eingriffen in die Bausubstanz verbunden sind (z.B.: Verbreiterung von Türrahmen)
  2. Ein- und Umbau von Mobiliar
  3. Umzugskosten, wenn der Umzug in eine behindertengerechte Wohnung erfolgt (z.B. vom Dachgeschoss ins Erdgeschoss)

Zusätzlich können Aufwendungen einbezogen werden, wenn in der neuen Wohnung weitere Anpassungen erforderlich sind, wenn Mehrkosten für Material und Arbeitslohn bei Umbauten anfallen oder Fahrtkosten bzw. Verdienstausfälle, wenn die Umbauten privat durchgeführt werden.

Explizit können die Maßnahmen folgende Veränderungen umfassen:

Anpassungen außerhalb der Wohnung
  • Einbau eines Aufzugs
  • Einbau eines Treppenlifts
  • Absenken des Briefkastens auf Greifhöhe
  • Orientierungshilfen schaffen (z.B. bei Sehbehinderungen)
  • Verbreiterung von Türrahmen, Absenkung der Türschwelle, Einbau pneumatischer Türantriebe
Anpassungen innerhalb der Wohnung
  • Schaffung ausreichender Bewegungsfläche
  • Einbau eines rutschfesten Bodenbelags
  • Installation von elektrischen Heizgeräten (um Beschaffung von Heizmaterial zu kompensieren)
  • Reorganisation von Lichtschaltern, Steckdosen etc.
  • Verbreiterung von Türrahmen, Absenkung der Türschwelle, Einbau pneumatischer Türantriebe
  • Absenkungen von Fenstergriffen
…in der Küche
  • Einbau von Armaturen mit verlängerten Hebeln
  • Einbau eines rutschfesten Bodenbelags
  • Anpassung der Kücheneinrichtung hinsichtlich Erreichbarkeit und Navigierbarkeit
…im Bad
  • Einbau eines Bads/WCs, wenn keines vorhanden ist
  • Anpassung eines vorhanden Bads/WCs
  • Einbau einer Badewanneneinstiegshilfe
  • Herstellung eines bodengleichen Zugangs zur Dusche
  • Einbau eines rutschfesten Bodenbelags
  • Höhenanpassung aller Möbel, des WCs und des Waschtischs
…im Schlafzimmer
  • Schaffung eines hindernisfreien Zugangs zum Bett
  • Versetzen/Neuinstallation von Lichtschaltern & Steckdosen in Bettnähe
  • Einbau eines rutschfesten Belags

Diese Liste bildet lediglich einen Auszug aus allen möglichen Maßnahmen. Ob alle von Ihnen geplanten Maßnahmen übernommen werden, können Sie bei Ihrer Pflegekasse erfragen.

Quellen

  1. Ratgeber zur Pflege. Alles, was Sie zur Pflege wissen müssen, Berlin, 2013, S. 53-54.
  2. Knappschaft: Verbesserung des Wohnumfeldes, Bochum, o.J..
  3. Barmer GEK: Wohnraumanpassung. Wer trägt die Kosten? O.O., o.J..