Verhinderungspflege

Wenn der Angehörige nicht pflegen kann

Jennifer Albrecht | 4. September 2014

Pflegende Angehörige brauchen auch einmal Urlaub oder werden krank. In diesem Fall können sie sich nicht mehr um ihre pflegebedürftigen Familienmitglieder kümmern. Damit sie sich ohne schlechtes Gewissen, eine Auszeit gönnen können, gibt es die Verhinderungspflege.
Verhinderungspflege

Manchmal brauchen auch Pflegepersonen eine Auszeit. In diesem Fall können Sie auf die Leistung der Verhinderungspflege zurückgreifen. | Foto: © Photographee.eu – Fotolia.com

Pflegende Angehörige können nicht garantieren, dass sie tatsächlich an 365 Tagen im Jahr für ihre pflegebedürftigen Familienmitglieder da sein können. Sie benötigen Urlaub, werden krank oder sind aus anderen Gründen verhindert. In diesem Fall kann der Pflegebedürftige auf die Leistungen der Verhinderungspflege seiner Pflegekasse zurückgreifen.

Die Verhinderungspflege, auch Ersatzpflege genannt, wird von der Pflegekasse für 4 Wochen (28 Tage) pro Kalenderjahr finanziert. Die exakte Höhe der Leistung ist abhängig davon, wer die ersatzweise Pflege des Versicherten übernimmt. Grundsätzlich ist aber ein Höchstbetrag von 1.550€ pro Jahr festgelegt. Seit dem 01. Januar 2013 gilt diese Regelung nicht mehr nur für die Pflegestufen I, II und III, sondern auch für Menschen ohne Pflegestufe aber mit einem erheblichen allgemeinen Betreuungsbedarf (= „Pflegestufe 0“).

Die Leistungen der Verhinderungspflege

Die Verhinderungspflege kann von einer anderen Privatperson oder einem ambulanten Pflegedienst übernommen werden.
Übernimmt eine verwandte oder verschwägerte Person bis zum 2. Grad die ehrenamtliche Pflege, so beläuft sich die Höhe der jährlichen Leistung auf die Höhe des jeweils gezahlten Pflegegelds. Wird die Ersatzpflege durch einen ambulanten Pflegedienst übernommen, ist das jährliche Limit auf 1.550€ begrenzt. Im Detail ergeben sich also folgende Leistungen je nach vergebener Pflegestufe:

Verhinderungspflege durch… „Pflegestufe 0“ Pflegestufe I Pflegestufe II Pflegestufe III
…nahe Angehörige:
(in € pro Jahr)

120

235
(305)*

440
(525)*

700

…einen Pflegedienst:
(in € pro Jahr)

1.550

1.550

1.550

1.550

*erhöhter Betrag bei zusätzlich eingeschränkter Alltagskompetenz

Erfolgt die Verhinderungspflege durch eine Privatperson, ist unter Umständen eine Aufstocken auf 1.550€ möglich. Und zwar:

  • Wenn es sich bei der Privatperson um einen Verwandten od. Verschwägerten über 2. Grades oder eine mit dem Pflegebedürftigen nicht verwandte Person handelt (z.B.: einen Nachbarn, Freund etc.).
  • Wenn der Angehörige zusätzliche Aufwendungen nachweisen kann (z.B. Fahrtkosten, Verdienstausfälle).

Verwandtschaftsgrade:

Verwandte 2. Grades – Eltern, Kinder, Großeltern, Enkel, Geschwister


Verschwägerte 2. Grades – Stiefeltern, Stiefkinder, Stiefgroßeltern, Enkelkinder des Ehegatten, Schwiegereltern, Schwiegersohn/-tochter, Ehegatten der Enkelkinder, Großeltern des Ehegatten, Schwager/Schwägerin

Vorrausetzungen für die Verhinderungspflege

Damit Sie die Leistungen der Ersatzpflege erhalten können, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein. Diese lauten wie folgt:

  • Der Pflegebedürftige wird ehrenamtlich von einer Privatperson (Verwandter, Freund, Bekannter) gepflegt.
    → Dies kann in Vollzeit oder in Teilzeit mit Unterstützung durch einen Pflegedienst sein.
  • Der Pflegebedürftige wird bereits seit mindestens 6 Monaten im häuslichen Umfeld gepflegt.
    → Dafür maßgebend ist nicht der Erhalt der Pflegestufe, sondern der Eintritt der Pflegebedürftigkeit.
    → Diese Frist muss nur erfüllt sein, wenn Verhinderungspflege zum ersten Mal beantragt wird.
  • Es wurde eine durch den MDK eine Pflegebedürftigkeit und/oder ein erheblicher allgemeiner Betreuungsbedarf festgestellt und durch die Pflegekasse bestätigt.
  • Die Leistungen wurden bei der Pflegekasse beantragt.

Die Gründe, aus denen eine Verhinderungspflege nötig wird, sind nicht festgelegt und können daher beliebig erweitert werden. So können beispielsweise neben Krankheit und Erholungsbedarf auch

  • anstehende Umbaumaßnahmen in der Wohnung des Pflegebedürftigen,
  • die Teilnahme an Pflegekursen der Pflegekassen,
  • Einbindungen in Erntearbeiten der Familie,
  • eine Erkrankung von Angehörigen der Pflegeperson (z.B. des Kindes),
  • die (Inlands-)Klassenfahrt des pflegebedürftigen Kindes

als Grund angegeben werden.

Die Besonderheiten der Verhinderungspflege

Im Rahmen der Verhinderungspflege ist auch eine Unterbringung des Pflegebedürftigen in einer vollstationären Einrichtung möglich. Die Kosten dafür werden jedoch maximal bis 1.550€ pro Kalenderjahr übernommen. Kosten, die darüber hinausgehen, bzw. Kosten für Unterbringung und Verpflegung (so genannte „Hotelkosten“) müssen vom Versicherten selbst übernommen werden.

Es kann auch eine „stundenweise Ersatzpflege“ in Anspruch genommen werden, wenn die Pflegeperson nicht für mehrere Tage am Stück, sondern nur stundenweise verhindert ist. Auch hier gilt das Limit von maximal 4 Wochen (28 Tage) und 1.550€. Verhinderungen unter 8 Stunden pro Tag werden nicht auf den zeitlichen Gesamtanspruch angerechnet und es erfolgt keine Kürzung des Pflegegeldes.

 

Quellen

  1. Barmer GEK: Leistungen bei Verhinderung der Pflegeperson, o.O., o.J., S.2-3.
  2. Ratgeber zur Pflege. Alles, was Sie zur Pflege wissen müssen, Berlin, 2013, S. 32-33, 45.
  3. Pflege-ABC – Pflegevertretung (Ersatzpflege / Verhinderungspflege) unter http://www.pflege-abc.info/pflege-abc/artikel/verhinderungspflege_ersatzpflege.html (abgerufen am 19.02.2014)