Kurzzeitpflege

Wenn in Krisen eine schnelle Alternative nötig ist

Jennifer Albrecht | 3. September 2014

In der häuslichen Pflege kann es schnell zu Krisensituationen kommen, die eine kurzfristige Lösung erfordern. Eine Lösung, die außerdem möglichst unbürokratisch zur Verfügung gestellt werden kann. Die Kurzzeitpflege ist für genau solche Situationen geschaffen worden.
Kurzzeitpflege

Ist zuhause eine schnelle Lösung nötig, kann auf die Möglichkeit der Kurzzeitpflege zurückgegriffen werden. Diese übernimmt die Pflegekasse. | Foto: © Barabas Attila – Fotolia.com

Die Kurzzeitpflege ist eine vorübergehende Unterbringung des Pflegebedürftigen in einer stationären Einrichtung. Dies kann beispielsweise nötig werden, wenn die häusliche Pflege aufgrund von plötzlich auftretenden Veränderungen nicht mehr vollumfänglich gewährleistet werden kann. Die Pflegekasse übernimmt in diesem Fall die Kosten für eine Kurzzeitpflege in Form einer Sachleistung. Das heißt, dass der fällig werdende Betrag direkt mit der beauftragten Einrichtung abgerechnet wird.

Anders als bei vielen anderen Leistungen der Pflegekasse wird die Höhe dieser Leistung nicht nach Pflegestufe gestaffelt. Egal, ob Sie Inhaber einer Pflegestufe I oder III sind – Sie haben immer Anspruch auf den vollen Betrag. Kurzzeitpflege wird für maximal 4 Wochen pro Kalenderjahr mit einem Höchstbetrag von 1.550€ übernommen. Etwaiges bisher bezogenes Pflegegeld wird in dieser Zeit zur Hälfte weiter gezahlt.

Welche Situationen können eine Kurzzeitpflege erfordern?

Die verschiedensten Situationen können die Inanspruchnahme der Kurzzeitpflege erfordern. So kann sich die Pflegebedürftigkeit des Versicherten plötzlich verschlimmern, sodass eine ausreichende Pflege durch die Angehörigen nicht mehr gewährleistet werden kann. Möglicherweise muss Kurzzeitpflege auch während der Wartezeit auf einen festen Heimplatz in Anspruch genommen werden. Und auch wenn die Pflegeperson selbst erkrankt und/oder stationär behandelt werden muss oder wenn diese in den Urlaub fahren will, wird eine Heimunterbringung der Pflegebedürftigen nötig.

Weiter sind auch alleinstehende Personen häufig auf Kurzzeitpflege angewiesen, wenn sie nach einem Krankenhausaufenthalt noch auf weitere Pflege angewiesen sind oder eine Nachsorge nötig ist, die nur von ausgebildetem Fachpersonal erbracht werden kann.
Tritt die Pflegebedürftigkeit plötzlich auf, müssen Angehörige zunächst die häusliche Pflege organisieren. Dies erfordert häufig Umbaumaßnahmen in der Wohnung oder größere Anschaffungen wie ein Pflegebett, die nicht kurzfristig zu erledigen sind.

Anforderungen für den Erhalt von Kurzzeitpflege

Wer Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen will, muss mindestens Pflegestufe I inne haben. Liegt bei Antragstellung noch keine Pflegestufe vor, muss innerhalb von 1 Woche nach Antragseingang bei der Pflegekasse eine Prüfung durch einen Gutachter des MDK erfolgen. Im Gegensatz zur Verhinderungspflege ist für diese Leistung jedoch keine Vorauspflegezeit von 6 Monaten erforderlich.

Liegt bereits eine Pflegestufe vor, ist eine Feststellung der Erforderlichkeit der Kurzzeitpflege durch die Pflegekasse nicht mehr nötig. Entsprechende Aussagen durch den Pflegebedürftigen selbst, die Pflegeperson und die beauftragte Einrichtung reichen aus. So soll gewährleistet werden, dass die Versicherten die Leistung möglichst schnell nutzen können.

Übrigens: Kurzzeitpflege wird nicht nur sofort geleistet, sondern auch bis zu 1 Woche rückwirkend.

Welche Kosten deckt die Pflegekasse ab?

Die Pflegekasse übernimmt nur die Kosten für die pflegerischen Leistungen der Einrichtung, für die soziale Betreuung und für die medizinische Behandlungspflege. Die sogenannten “Hotelkosten”, also Kosten für Unterbringung und Verpflegung des Pflegebedürftigen, müssen privat finanziert werden. Und auch Beiträge, die über den maximalen Leistungsbetrag von 1.550€ hinausgehen, müssen selbst bezahlt werden.

Unser Tipp

Die verbrauchte Zeit der Kurzzeitpflege wird nicht auf die Zeit der Verhinderungspflege angerechnet und umgekehrt. Haben Sie die vollen 4 Wochen der einen Leistung in Anspruch genommen, können Sie weiterhin Ihren Anspruch auf die andere Leistung geltend machen.

Quellen

  1. Ratgeber zur Pflege. Alles, was Sie zur Pflege wissen müssen, Berlin, 2013, S. 56-57.
  2. Pflege ABC – Kurzzeitpflege unter http://www.pflege-abc.info/pflege-abc/kategorie/k/artikel/kurzzeitpflege.html (abgerufen am 26.02.2014)