Pflege nach dem Schlaganfall

Wie das Gehirn mit Bobath lernen kann, sich selbst zu helfen

Silvana Arndt | 21. Januar 2015

Erleidet ein Mensch einen Schlaganfall, so kann dies verschiedene Krankheitsbilder zur Folge haben. Am häufigsten führt es jedoch zu Lähmungen. Diesen kann in der Pflege durch das Bobath-Konzept entgegengewirkt werden. Jedoch ist dafür eine übergreifende Zusammenarbeit aller Beteiligten notwendig.
Pflege nach dem Schlaganfall

Um Lähmungserscheinungen nach einem Schlaganfall optimal behandeln zu können, ist gemäß dem Bobath-Konzept eine Zusammenarbeit des gesamten Umfelds des Pflegebedürftigen wichtig. | Foto: © Barabas Attila – Fotolia.com

Durch eine akute, plötzlich auftretende Durchblutungsstörung des Gehirns – dem Schlaganfall – kommt es zu neurologischen Ausfällen auf einer (meist dem Hirninfarkt gegenüberliegenden) Körperhälfte. Diese häufige Erkrankung macht 15 % aller Todesfälle aus. Bei rechtzeitiger Hilfe und Behandlung überleben jedoch die meisten Patienten. Dennoch sind etwa 30 % dieser Personen danach aus Dauer pflegebedürftig.

Folgen eines Schlaganfalls

Je nachdem, welcher Bereich des Gehirns neurologisch geschädigt wurde, kann es zu ganz unterschiedlichen Folgen des Schlaganfalls kommen. Diese können sowohl physischer als auch psychischer Natur sein.

  • Hirnleistungsstörungen (Vergesslichkeit, Konzentrationsverlust) oder Apraxie (Störung der Handlungsabläufe)
  • Sprachstörungen oder komplette Aphasie (Sprachverlust)
  • Psychische Veränderungen (Labilität, Aggressivität, Anzüglichkeit) oder plötzlich eintretende Bewusstseinsstörungen (Abwesenheit, Somnolenz bis hin zum Koma)
  • Parästhesien (anormale Körperempfindungen wie Kribbeln und Einschlafen der Glieder), Lähmungen (einzelne Körperteile bis hin zur Halbseitenlähmung) oder Neglect (verhinderte Wahrnehmung einer Körperhälfte und deren Umfeld)

Aus diesen Symptomen ergeben sich ganz unterschiedliche Pflegehandlungen. Grundsätzlich ist aber das erklärte Pflegeziel, verlorene Funktionen wieder herzustellen.

Rehabilitation mit Bobath

Auch wenn der Schlaganfall teils schwere Schäden verursachen kann, so heißt das nicht, dass diese nie wieder behoben werden können. Im Gegenteil: Der aktuelle Forschungsstand gibt an, dass das Gehirn fähig ist, neue Nervenzellen oder zumindest neue Verbindungen zwischen den Hirnarealen zu bilden. Dadurch können andere Regionen des Gehirns die Funktionen der ausgefallenen Bereiche übernehmen.

Voraussetzung dafür ist die frühestmögliche Therapie nach dem Bobath-Konzept. Diese Behandlung hat zum Ziel, den Pflegebedürftigen die verlorengegangenen senso-motorischen Fähigkeiten durch tägliche, in den Alltag integrierte Therapie- und Lernangebote zurück zu bringen. Dabei wird versucht zu verhindern, dass die zunächst schlaffe Muskulatur eines Schlaganfall-Patienten im Laufe weniger Wochen die typische, krankhaft erhöhte Spannung aufbaut (Spasmen). Der Pflegebedürftige soll die Kontrolle über den Muskeltonus und die Bewegungsfunktionen wiedererlangen.

Pflegemaßnahmen und -prinzipien

Um dieses Ziel zu erreichen, ist es notwendig, dass das gesamte Umfeld des Patienten rund um die Uhr nach dem Bobath-Konzept agiert. Dazu müssen zunächst die größten Risiken wie beispielsweise eine ungesunde Lebensführung, Nikotinkonsum, ein zu hohes Gewicht und schlechte Blutwerte vermieden oder behoben werden. Die eigentliche Therapie umfasst verschiedene, sich ergänzende Maßnahmen.

  1. Die Lagerung: Eine gezielt therapeutische Lagerung auf härterem Material bringt mehr Spürinformationen für den Patienten, die seine Körperwahrnehmung insbesondere der gelähmten Seite positiv beeinflussen können. Die Gefahr des Dekubitus ist hier zu bedenken, kann aber durch einen Umlagerung in kürzeren Intervallen gut kompensiert werden.
  2. Die Mobilisation: Sie wird im Idealfall bei jeder Bewegung (Umlagern, Aufstehen, Hinsetzen,…) durch den Therapeuten ausgeführt. Dabei ersetzt diese von außen ausgeübte Bewegung die verlorengegangene Fähigkeit des Patienten, der dann die Bewegung mit der nicht betroffenen Körperhälfte fortsetzt. Durch diesen Input können bilaterale (zweiseitige, von der Körpermitte entfernte) Bewegungen wiedererlangt werden.
  3. ATL-Training: In Aktivitäten des täglichen Lebens (ATL) lassen sich Lernprozesse und Therapiehandlungen wesentlich leichter einbeziehen als in abstrakte Übungssituationen. Beim An- und Ausziehen, der Nahrungsaufnahme oder insbesondere auch während der Körperpflege werden bekannte Bewegungsmuster und Konzepte vom Patienten reaktiviert, auf die sich leichter aufbauen lässt. Zudem ist die Motivation oft höher, da der Nutzen und das Ziel der Selbstständigkeit greifbarer erscheinen.

Berufsübergreifende Zusammenarbeit

Soll die Pflege nach einem Schlaganfall gemäß dem Bobath-Konzept durchgeführt werden, so ist dies nicht allein die Aufgabe des Physiotherapeuten, sondern aller Beteiligten. Sowohl die Ärzte, als auch anderen Therapeuten (Ergotherapeut, Logopäde,…), insbesondere aber die Pflegekräfte müssen darum den Vorgaben entsprechend mit dem Patienten agieren. Denn die Eindrücke aus ihrem Kontakt sind quantitativ viel stärker durch die erhöhte Zeitkomponente der Pflegekräfte.

Aber auch als Angehöriger ist es wichtig, dem Bobath-Konzept zu entsprechen. Während Hilfsmittel vor der Anschaffung mit dem Therapeuten besprochen werden sollten, kann sich bereits die Raumgestaltung (zum Beispiel die Nachttischlampe als Anreiz an die gelähmte Bettseite zu stellen) positiv auf die Lernprozesse auswirken. Auch die direkte Ansprache des Schlaganfall-Patienten sollte von der betroffenen Seite her erfolgen, da er dadurch gefordert wird, diese wieder bewusster wahrzunehmen.

Insgesamt ist die Pflege nach Bobath darum ein 24-Stunden-Konzept, welches immer wieder an die Bedürfnisse und den Zustand des erkranken angepasst werden muss. Seine Belastungsgrenzen müssen dabei unbedingt beachtet werden.

Quellen

  1. Pflegewiki zum Schlaganfall unter http://www.pflegewiki.de/wiki/Schlaganfall (Abfragedatum: 21.01.2015)
  2. Pflegewiki zum Bobath-Konzept unter http://www.pflegewiki.de/wiki/Bobath-Konzept (Abfragedatum: 21.01.2015)
  3. Pflege-ABC zur Pflege nach Bobath unter http://www.pflege-abc.info/pflege-abc/suchwort/artikel/pflege_nach_bobath.html (Abfragedatum: 21.01.2015)
  4. Schlaganfallhilfe über den Wohnraum unter
    http://www.schlaganfall-hilfe.de/wohnraum (Abfragedatum: 21.01.2015)
  5. Schlaganfallhilfe über Hilfsmittel unter
    http://www.schlaganfall-hilfe.de/hilfsmittel (Abfragedatum: 21.01.2015)