Inkontinenz

Mit dem Tabuthema richtig umgehen

Linda Ewaldt | 26. August 2014

Unter Inkontinenz verstehen wir die mangelnde Fähigkeit, Urin oder Stuhl bei sich zu behalten, so dass sich Blase oder Darm unkontrolliert entleeren. Fehlende Aufklärung, Stolz und Scham machen Inkontinenz zu einem Tabuthema.

Inkontinenz ist leider noch immer ein Taubuthema.

Inkontinenz betrifft nicht nur alte Menschen. ©Jane Doe – Fotolia.com

 

Die meisten Menschen lernen schon in frühester Kindheit, Blase und Darm zuverlässig zu kontrollieren. Die Sauberkeitserziehung ist ein viel diskutiertes Thema und ein wichtiger und schwerwiegender Schritt in der Entwicklung. Vielleicht ist dies einer der Gründe, wieso Scham und Stolz es zum Tabuthema werden lassen, wenn die Kontrolle über Blase und Darm nicht mehr oder nur noch teilweise funktioniert.

Dabei ist Inkontinenz in seinen unterschiedlichen Formen nicht nur weit verbreitet, sondern auch in vielen Fällen gut behandelbar. Mit ärztlicher Unterstützung, Hilfsmitteln und konsequentem, körperlichen Training ist es möglich, die Inkontinenz zu bekämpfen oder sie zumindest anzunehmen, um zu einem besseren Lebensgefühl zurückzufinden. Eine unbehandelte und nicht thematisierte Inkontinenz kann zu sozialer und gesellschaftlicher Ausgrenzung führen, aus dessen Folge sich im schlimmsten Fall schwerwiegende Depressionen entwickeln können. Leiden Sie unter Inkontinenz oder haben Sie den Verdacht, dass Ihr zu pflegender Angehöriger unter Inkontinenz leidet, suchen Sie daher das Gespräch mit einem Vertrauten und Ihrem Arzt.

Verschiedene Formen der Harninkontinenz

Die Harninkontinenz in ihren unterschiedlichen Formen gehört zu der am weitesten verbreiteten Inkontinenz. An ihr erkranken Frauen häufiger als Männer, da Geburten und die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren häufig den Beckenboden geschwächt haben.

Harninkontinenz ist dabei ein Begriff, der unterschiedliche Formen des unwillkürlichen Ablassens von Urin zusammenfasst. Zu ihnen gehören:

  • Belastungs- und Stressinkontinenz : Bei körperlicher Belastung wird unwillkürlich Urin freigegeben, zum Beispiel beim Niesen, Husten, Lachen oder Heben.
  • Dranginkontinenz: Plötzlich auftretender Harndrang trotz verhältnismäßig leerer Blase. Bei Blasenentzündungen ein typisches Symptom.
  • Überlaufinkontinenz: Unwillkürliches Entleeren der Blase bei großem Füllvolumen. In der Regel bleibt jedoch bei der Überlaufinkontinenz immer eine gewisse Restharnmenge in der Blase. Diese kann auf Dauer zu einer Entzündung führen und bedarf auf jeden Fall einer ärztlichen Behandlung.
  • Reflexinkontinenz: Bei der Reflexinkontinenz kann willentlich aufgrund von Nervenschädigungen kein Einfluss mehr auf die Blasentätigkeit genommen werden.

 

Stuhlinkontinenz ist oft eine Begleiterscheinung anderer Krankheiten

Mehr noch als die Harninkontinenz ist die Stuhlinkontinenz häufig eine Begleiterscheinung anderer Krankheiten, die Einfluss auf Kraft und Funktion des Schließmuskels haben, wie beispielsweise Parkinson und Multiple Sklerose.

Unter der Stuhlinkontinenz verstehen wir die Unfähigkeit, Darmwinde und Kot vollständig zurückzuhalten. Sie äußert sich zum Beispiel im unwillkürlichen Ablassen geringer Kotmengen (auch als Stuhlschmieren bezeichnet) oder der kompletten, ungewollten Darmentleerung.

Das Kontinenztraining kann Abhilfe schaffen

Sie sind der Inkontinenz nicht immer ausgeliefert. In einigen Fällen kann der Körper durch konsequentes Training wieder daran gewöhnt werden, größtenteils oder sogar vollständig die Kontrolle über Blase und Darm zurückzugewinnen.

Dafür sollten Sie das eigene Toilettenverhalten oder das Ihres Angehörigen genau beobachten und einen Toilettenplan hiernach ausrichten. Als Hilfreich hat sich folgende Methode erwiesen:

Der Erste Gang zur Toilette sollte morgens vor dem Waschen und Frühstücken geschehen, nicht lange nach dem Aufwachen. Der nächste Toilettengang folgt dann etwa 30 Minuten nach dem Frühstück und von da an in regelmäßigen Abständen alle zwei Stunden, auch dann, wenn kein Drang besteht.

Verläuft diese erste Etappe des Kontinenztrainings erfolgreich, das heißt ohne häufige Zwischenfälle durch Einnässen oder unwillkürliches Kotablassen, kann der Abstand zwischen den Toilettengängen wöchentlich um etwa zehn Minuten vergrößert werden. Der maximale und endgültige Abstand zwischen den Toilettengängen sollte jedoch nie mehr als vier Stunden betragen.

Beachten Sie bei der Ausführung und Anleitung des Kontinenztrainings bitte stets die Würde Ihres Angehörigen. Dieser darf niemals das Gefühl haben, bevormundet oder bedrängt zu werden. Suchen Sie bei Konflikten stattdessen ruhig und verständnisvoll das Gespräch.

Die Pflege von Inkontinenzbetroffenen

Ist Ihr pflegebedürftiger Angehöriger von Inkontinenz betroffen, bedeutet das in der Pflege einen nicht unerheblichen Mehraufwand und ein Zuwachs der Gefahr von möglichen Folgeerkrankungen.

Pflegehilfsmittel wie Inkontinenzeinlagen, Analtampons, Kondomurinale und Windeln können die Pflege erleichtern und ein übermäßiges Aufkommen von Wäsche verhindern. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, um sich umfangreich beraten zu lassen und ein notwendiges Rezept zu erhalten.

Durch diese Pflegehilfsmittel bleibt die Haut im Intimbereich des Pflegebedürftigen weitgehend trocken, so dass die Gefahr des Auftretens von Druckgeschwüren und eine Schädigung der Haut reduziert wird. Achten Sie dennoch auf eine regelmäßige Reinigung des Intimbereichs mehrmals am Tag und nutzen Sie dazu eine ph-neutrale Seife oder einen guten Waschschaum.

Um eine hohe Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen zu erhalten, versehen Sie zweckmäßige und pflegeleichte Kleidung mit Klettverschlüssen und Gummizug, statt Knöpfen und Gürtel aus. Auf diese Weise können Hosen und Röcke schnell heruntergezogen werden, wenn ein Toilettennotfall eintritt.

Lüften Sie außerdem regelmäßig, damit weder Ihr Angehöriger noch Besuch durch eventuelle Gerüche belästigt wird. Gegebenenfalls  kann auch ein Raumspray verwendet werden. So verhindern Sie eine soziale Ausgrenzung und schaffen eine angenehme Wohlfühl-Atmosphäre.

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Quellen

  1. Die Harninkontinenz – Blasenschwäche, unter: http://www.selbsthilfeverband-inkontinenz.org/svi_suite/svisuite/harninkontinenz.php?sid=bf3b4ba780e82c6f6e410cf1fcf7e9da , abgerufen am 15.02.2014.
  2. Barden, Ingeburg: Der große Caritas-Ratgeber – Hauskrankenpflege, Stuttgart, 2010, Seite:281.
  3. Bundesministerium für Gesundheit: Pflegen zu Hause – Ratgeber für die häusliche Pflege, Rostock, 2012, Seite: 85.
  4. Barden, Ingeburg: Der große Caritas-Ratgeber – Hauskrankenpflege, Stuttgart, 2010, Seite:282f.