Diabetes

Wissenswertes zur „Zuckerkrankheit“

Linda Ewaldt | 19. August 2014

Diabetes mellitus gehört zu den häufigsten Krankheiten und kann Menschen jeden Alters treffen. Pflegen Sie jemanden mit Diabetes, sollten Sie über die wichtigsten Aspekte der Krankheit informiert sein, um im Notfall schnell handeln zu können.
Diabetes erfordert das regelmäßige Messen des Zuckers im Blut.

Bei Diabetes muss der Blutzucker regelmäßig gemessen werden. ©apops – Fotolia.com

Die Diabetes, im Volksmund auch Zuckerkrankheit genannt, ist eine zusammenfassende Bezeichnung für verschiedene Stoffwechselkrankheiten, die alle einen Anstieg des Blutzuckers zur Folge haben. Die Betroffenen sind fortan darauf angewiesen, ihren Blutzucker regelmäßig zu kontrollieren und die Werte durch eine spezielle Ernährung, Tabletten oder das Spritzen von Insulin zu senken.

Auf Pflegepersonen von Diabetes-Erkrankten kommen diese Aufgaben ebenfalls zu, denn eine Unter- oder Überzuckerung kann zu Bewusstlosigkeit führen, in der zügige Hilfe lebenswichtig ist. Einige Pflegebedürftige sind zu dem nicht oder nicht mehr in der Lage, selbstständig auf ihre Blutzuckerwerte zu achten und korrekt auf sie zu reagieren.

Blutzuckermessgeräte und Teststreifen machen es inzwischen einfach, den Zucker im Blut zu kontrollieren. In der Regel wird dazu mittels einer Stechhilfe ein Tropfen Blut aus der Fingerkuppe gewonnen und auf den Teststreifen aufgebracht. Das Messgerät informiert Sie schließlich über das Ergebnis. Bei einem gesunden Erwachsenen liegt der Blutzuckerwert im nüchternen Zustand bei 70-100 mg/dl (Milligramm pro Deziliter). (Vgl. Barden)

 Diabetes Typ I – wenn die β-Zellen zerstört sind

Beim häufigsten Diabetestyp, dem Diabetes mellitus, wird zwischen Typ I und Typ II unterschieden, wobei Typ I bei nur rund 5% der Erkrankten festgestellt wird. Bei diesem Diabetestyp werden die β-Zellen, welche für die Insulinproduktion verantwortlich sind, innerhalb kürzester Zeit (wenige Wochen oder Tage) zerstört. Als Folge daraus ist der Betroffene lebenslang darauf angewiesen, dem Körper durch Spritzen Insulin zuzuführen. Da sich der Körper beim Diabetes Typ 1 selbst angreift, gehört diese Krankheit zu den Autoimmunkrankheiten, deren Ursache bis heute ungeklärt ist.  Vermutet wird ein Zusammenhang mit einigen Umweltfaktoren, wie zum Beispiel der Kontakt mit verschiedenen Viren oder ein zu früher Genuss von Kuhmilch. Als nachgewiesen gilt eine genetische Veranlagung, also eine höhere Wahrscheinlichkeit an Diabetes zu erkranken, wenn der Diabetes Typ I in der direkten Verwandtschaft bereits aufgetreten ist.

Diabetes Typ II

Der Diabetes mellitus Typ II ist eine der häufigsten Volkskrankheiten und vor allem in den Industrieländern weit verbreitet. Ursache hierfür ist das dort häufig vorkommende Übergewicht, welches diese Stoffwechselstörung begünstigt. Als eine weitere Hauptursache gilt Bewegungsmangel. In der Vergangenheit erkrankten daher besonders häufig ältere Menschen. Der veränderte Lebenswandel und die vornehmlich sitzend verbrachte Arbeitszeit führte jedoch in den vergangenen Jahren dazu, dass zunehmend auch Menschen ab 30 Jahren an Diabetes Typ II erkranken.

Im Gegensatz zum Diabetes mellitus Typ I entsteht beim Diabetes mellitus Typ II zunächst kein Mangel an Insulin, sondern die körpereigenen Zellen werden zunehmend resistent gegen das zuckerabbauende Hormon. Betroffene dieses Typs des Diabetes sind nicht immer auf das Spritzen von Insulin angewiesen. Bei Ihnen reicht oft eine strenge Ernährung und gegebenenfalls eine medikamentöse Behandlung mit Tabletten aus, um den Blutzucker zu senken.

Auch beim Diabetes mellitus Typ II ist das Risiko zu erkranken wahrscheinlicher, wenn in der unmittelbaren Verwandtschaft bereits Fälle dieses Typs aufgetreten sind. Prozentual gesehen ist es sogar höher als beim Typ I.

Typische Symptome der Diabetes

Die Symptome, die auf Diabetes hindeuten, sind vielfältig, aber bei allen Diabetesformen in etwa identisch. Zu Ihnen zählen:

  • Übermäßiger Durst
  • Vermehrter Harndrang
  • Juckreiz am ganzen Körper und trockene Haut
  • Bauchschmerzen und Übelkeit bis hin zum Erbrechen
  • Bewusstlosigkeit und Koma

Vor allem die beiden erstgenannten Symptome treten klassischerweise auf, denn dadurch, dass das Insulin den übermäßigen Zucker im Blut nicht mehr abbauen kann, müssen die Nieren diesen ausspülen. Um das zu bewältigen, ist es notwendig, dass die Nieren den Zucker in reichlich Flüssigkeit auflösen – die Harnproduktion nimmt zu. Infolgedessen steigt der Flüssigkeitsverbrauch des Körpers und das Durstgefühl nimmt zu. Da der Körper bei gesüßten Getränken noch mehr Zucker ausscheiden muss, löschen diese nicht den Durst.

Notfallsituation Unter- und Überzucker

Maßnahmen bei Unterzucker: Essen Sie schnellwirkende Kohlehydrate, wie z.B. Traubenzucker, Gummibärchen oder Brot. Sie können auch Limonade oder andere gesüßte Getränke zu sich nehmen. Ist der Erkrankte nicht mehr Ansprechbar, muss Glukagon gespritzt werden.

Maßnahme bei Überzucker: Unterstützen Sie den Erkrankten bei der Insulingabe. Bei Bewusstlosigkeit bringen Sie ihn in eine stabile Seitenlage und verständigen Sie den Notarzt.|

Ernährung

„Bloß keinen Zucker!“ Diesen Ausruf hörten Sie sicher noch vor einigen Jahren von Diabetikern und ihren Angehörigen. Richtig ist aber: In Maßen ist auch bei Diabetikern naschen erlaubt. Wichtig sind eine stetige Kontrolle des Blutzuckers und eine ausreichende Versorgung mit Insulin.

Wie bei gesunden Menschen, sollte auch bei Diabeteserkrankten die Ernährung ausgewogen und abwechslungsreich sein.

Spritzen Sie Insulin, sind Sie auf Zwischenmahlzeiten angewiesen. Der Grund: Die Wirkung des gespritzten Insulins dauert länger an, als die Wirksamkeit des Blutzuckers in den meisten Speisen. Nehmen Sie keine Zwischenmahlzeiten zu sich, droht eine Unterzuckerung. Diabetiker sollten daher immer einen kleinen Snack bei sich tragen.

 Folgeerkrankungen

Die strenge Überwachung des Blutzuckers ist nicht nur kurzfristig wichtig, zum Beispiel um Bewusstlosigkeit bis hin zum Koma zu vermeiden, sondern auch langfristig. Denn Diabetes mellitus und zu häufig erhöhte Blutzuckerwerte können schwerwiegende Folgeerkrankungen nach sich ziehen.

So kann es zum Beispiel durch Schädigung der Blutgefäße zu einer Arteriosklerose, also einer Ablagerung von Blutfetten, Thromben und Kalk in den Arterien, kommen. Aus einer Folge dieser steigen das Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko.

Weitere Folgeerkrankungen sind Augen-, Nieren- und Nervenschädigungen. Letztere können so weit gehen, dass die Wahrnehmung von Reizen eingeschränkt ist. Ebenfalls sind viele Diabetiker von Wundheilungsstörungen betroffen, die auch zum Gewebezerfall und zu einem erhöhten Dekubitus-Risiko führen können.

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Quellen:

  1. Diabetes mellitus, unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Diabetes_mellitus , abgerufen am 11.02.2014.
  2. Lee-Barkley, Young Hee: Diabetes Typ 2, unter: Lee-Barkley, Young Hee: Diabetes Typ 2, unter: http://www.diabetes-ratgeber.net/Diabetes-Typ-2/Blutzuckermessen-11704_7.html (abgerufen am 11.02.2014) , abgerufen am 11.02.2014.
  3. Barden, Ingeburg: Der große Caritas-Ratgeber – Hauskrankenpflege, Stuttgart, 2010, Seite:276f.
  4. Dr. rer. nat. Dr. med. Quester, Wulf: Diabetes mellitus Typ 1, unter: http://www.diabetes-ratgeber.net/Diabetes-Typ-1/Diabetes-mellitus-Typ-1-Beratender-Experte-11686_14.htmlabgerufen am 12.02.2014.
  5. Was tun bei Unterzucker, unter: http://www.diabetes-ratgeber.net/Unterzucker/Was-tun-bei-einer-Unterzuckerung-54138_6.html , abgerufen am 13.02.2014.
  6. Milhahn, Kirsten: Ratgeber Diabetes, unter: http://www.stern.de/gesundheit/diabetes/therapie/ernaehrung-bei-diabetes-naschen-erlaubt-654907.html , abgerufen am 12.02.2014.
  7. Barden, Ingeburg: Der große Caritas-Ratgeber – Hauskrankenpflege, Stuttgart, 2010, Seite:277.