Demenz

Wenn das Gedächtnis abbaut

Linda Ewaldt | 24. September 2014

Demenz gehört zu den häufigsten Erkrankungen im Alter. Der Abbau der mentalen Leistung, die mit Gedächtnisverlust und Persönlichkeitsveränderung einhergeht, fordert vor allem von den pflegenden Angehörigen viel Energie und Verständnis.

 

Demenz ist ein schleichender Prozess

Bei Demenz verliert der Betroffene langsam immer mehr seines Erinnerungsvermögens. | Foto: ©freshidea – Fotolia.com

Vergesslich und ein wenig zerstreut zu sein, gehört zum Älter werden dazu und wird daher von vielen Menschen zunächst sehr ernst genommen. Kritisch bemerkt wird es erst, wenn die allgemeine Vergesslichkeit die Grenze zur Demenz überschreitet.

Ursächlich für die primäre Form der Demenz ist eine schlechtere Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff. Die Folge: Nervenzellen im Gehirn sterben ab. Bei der sekundären Demenz tritt der Verlust der Nervenzellen als eine Folgeerkrankung auf. Ursachen hierfür können zum Beispiel Bluthochdruck oder eine Alkoholabhängigkeit sein. Die Symptome der Demenz sind bei beiden Formen identisch. Zu diesen gehören:

  • Vergesslichkeit, zunächst vor allem bei Dingen, die im Kurzzeitgedächtnis abgespeichert werden.
  • Sprach- und Kommunikationsschwierigkeiten, zum Beispiel beim Finden der richtigen Worte oder dabei, dem Gespräch zu folgen.
  • Schwierigkeiten, gewohnte Tätigkeiten auszuführen, zum Beispiel kochen oder der Umgang mit Werkzeug.
  • Orientierungsschwierigkeiten, vornehmlich in fremder Umgebung.
  • Abnahme der Lernbereitschaft und Lernfähigkeit.
  • „Starrsinn“, also der Unwillen, Fehler zuzugeben sowie Reizbarkeit und Misstrauen bis hin zur Aggressivität.
  • Persönlichkeitsveränderung.

Vor allem das zuletzt genannte Symptom belastet die Angehörigen zumeist sehr. Viele erkennen bei fortschreitender Krankheit den von ihnen geliebten Menschen gar nicht wieder. Die eingeschränkte Kommunikation mit dem Angehörigen erschwert die Situation noch zusätzlich.

Kommunikation mit Demenzkranken

Vielen Demenzkranken fehlen mit fortschreitender Erkrankung die Worte, sie können sich also nur noch schwer verständlich machen. Ebenso fehlt ihnen die Aufmerksamkeitsspanne, Anregungen oder Anweisungen Ihres Gegenübers umzusetzen. Die Verständigung mit Demenzerkrankten erfordert also viel Geduld seitens des Pflegenden. Dabei kann es helfen, wenn Sie sich immer wieder bewusst machen, dass die Krankheit einen Menschen verändert. Vermeiden Sie es, sich auf Diskussionen einzulassen und nehmen Sie Widerspruch und eventuell ausgesprochene Beleidigungen seitens Ihres Angehörigen nicht persönlich. Dennoch sollten Sie selbstverständlich auch Menschen mit Demenz stets ernst nehmen und auf deren Gefühle eingehen.

Demenzerkrankte leben zunehmend in ihrer eigenen Welt, die sich häufig aus Erlebnissen der Vergangenheit zusammensetzt. Versuchen Sie hier nicht, den Demenzerkrankten mit Argumentatio­nen von seinem Standpunkt abzubringen, begeben Sie sich jedoch auch nicht auf die Zeitebene des Demenzerkrankten.

Ein Beispiel aus dem Alltag:

Ihr Vater läuft aufgeregt durch die Gegend und sucht sein Werkzeug, weil er dringend noch etwas im Haus reparieren will. Tatsächlich ist jedoch nirgendwo etwas kaputt. Nehmen Sie ihn jedoch in seiner Sorge ernst und gehen Sie auf diese Situation ein, indem sie vergangene Leistungen anerkennen. Zum Beispiel so:

„Ich erinnere mich, wie du nach der Arbeit noch die Zeit finden musstest, das ganze Haus in Schuss zu halten. Das war sicher nicht immer einfach und sehr anstrengend.“

Sie können die mentalen und intellektuellen Lücken, die bei Demenzkranken entstanden sind, nicht mehr schließen. Schonen Sie nicht nur Ihre eigenen Nerven, sondern auch die des Pflegebedürftigen, indem Sie es gar nicht erst versuchen.

Folgende Tipps können außerdem dabei helfen, die Kommunikation mit Demenzerkrankten zu erleichtern:

  • Stellen Sie Fragen möglichst direkt. Zum Beispiel: „Möchtest Du Orangensaft?“, anstatt „Was möchtest du trinken?“
  • Lassen Sie dem Demenzkranken Zeit zum Antworten und behandeln Sie ihn respektvoll und auf Augenhöhe.
  • Unterstützen Sie Ihre Sprache durch Gesten. Vereinbaren Sie vielleicht sogar gemeinsame Zeichen, die fehlende Worte ersetzen können.
  • Heben Sie das Können des Demenzkranken durch Lob hervor, anstatt Fehler zu kritisieren.
  • Diskutieren Sie nicht und lernen Sie, absurde Behauptungen oder Erinnerungen seitens Ihres Angehörigen einfach einmal im Raum stehen zu lassen.

Ernährung bei Demenzerkrankungen

Reduzierter Appetit und ein gesunkenes Hunger- und Durstgefühl machen die Ernährung bei einer Demenzerkrankung zu einem schwierigen und oft unterschätzten Thema. Der Instinkt, Nahrung aufzunehmen um genug Energie zum Überleben zu haben, ist bei einer fortgeschrittenen Demenzerkrankung nicht mehr vorhanden. Ihnen als Pflegendem kommt daher die Aufgabe zuteil, den Pflegebedürftigen mehrmals täglich zum Essen und Trinken zu animieren.

Erfolg haben Sie damit am ehesten, wenn Sie das Essen durch vertraute Gesten, Geräusche und Gerüche vorbereiten. Hilfreich ist außerdem ein strikter Tagesablauf, der der von Demenz betroffenen Pflegebedürftigen Struktur bietet und den Mahlzeiten einen festen Zeitrahmen gibt. Die mit dem Essen verbundenen Assoziationen (z.B. das Klappern von Geschirr oder der Geruch eines Bratens im Ofen) fördert zudem das Hungergefühl.

In späteren Stadien der Demenz kommt es häufig dazu, dass die Erkrankten mit der Nutzung von Besteck überfordert sind. Bevor Sie zum Füttern Ihres Angehörigen übergehen, sollten Sie hier zunächst versuchen Essen zu servieren, das auch mit den Fingern gegessen werden kann.

Ist durch eine fortgeschrittene Demenz der Schluckreflex beeinträchtigt, kann es notwendig sein, die Speisen zu pürieren, um ein gefährliches Verschlucken von zu großen Stücken zu vermeiden. Getränke hingegen müssen aus dem gleichen Grund angedickt werden, da sonst die Gefahr besteht, dass sie zu hastig heruntergeschluckt werden und in die Lunge gelangen.

Sorgen Sie für Hilfe und Ausgleich für sich

Das Pflegen eines Angehörigen zu Hause kann belastende Momente haben. Vor allem bei Demenzerkrankten entstehen solche Momente häufig und sorgen für einen erhöhten Stresspegel und eine große Verantwortung bei den Pflegenden. Um jedoch Ihrem Angehörigen und sich selbst gerecht zu werden, ist es unabdingbar, dass Sie einen entlastenden Ausgleich schaffen. Bitten Sie daher regelmäßig Freunde oder andere Familienangehörige, für ein  paar Stunden auf den Pflegebedürftigen zu achten oder nutzen Sie die zahlreichen Angebote der Kurzzeitpflege, damit Sie sich auch einmal Zeit zum Ausspannen nehmen können. Viele Altentreffpunkte und Pflegeheime sind mittlerweile auf die Kurzzeitpflege von Demenzerkrankten eingestellt und können Ihren Angehörigen fachgerecht und liebevoll betreuen.

Suchen Sie außerdem das Gespräch mit anderen Pflegenden von Demenzerkrankten. Der Austausch bietet die Möglichkeit sozialer Kontakte und verhindert, dass Sie sich mit den wachsenden Aufgaben „allein gelassen“ fühlen. Neben Selbsthilfegruppen eignen sich auch Internetforen als eine gute Plattform für diesen Austausch.

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Quellen

  1. Demenzkranke betreuen, in: Pflegeratgeber – Informationen rund um den Pflegealltag, wdv GmbH & Co, Bad Homburg, Stand: Januar 2013, S: 18.
  2. Körpersignale, in: Pflegen zu Hause – Ratgeber für die häusliche Pflege, Rostock, Mai 2012, S: 37.
  3. Barden, Ingeburg: Der große Caritas-Ratgeber – Hauskrankenpflege, Stuttgart, 2010, Seite:265 ff.
  4. Ernährung in der häuslichen Pflege Demenzkranker, Barmer GEK, Wuppertal, Stand Januar 2013.