Essen bei Tisch

Essenszeit ist die Zeit der Gemeinschaft

Linda Ewaldt | 3. September 2014

Pflegebedürftige Personen bekommen Ihr Essen häufig im Bett serviert. Manche von Ihnen sind nicht in der Lage sich an einen Tisch zu setzen, zum Beispiel weil es Sie zu viel Anstrengung kostet. Wann immer es möglich ist, sollten Sie Ihren Angehörigen die Mahlzeiten jedoch am Tisch reichen.
Essen bei Tisch

Das gemeinsame Essen am Familientisch ist für viele Pflegebedürftige eine schöne Abwechslung zum Liegen im Bett.| Foto: © pressmaster – Fotolia.com

Bett-Tischchen und spezielle Pflegebetten machen es dem Pflegenden zunehmend einfacher, das Essen am Bett zu servieren und auch Pflegebedürftige genießen einen immer größeren Komfort. Dennoch sollte das Essen im Bett nur in Ausnahmefällen geschehen und vorher stets andere Möglichkeiten und Orte für die Nahrungsaufnahme in Erwägung gezogen werden. Im Idealfall ist dies der Esstisch in Küche, Ess- oder Wohnzimmer.

Das gemeinsame Essen und Zusammensitzen bei Tisch fördert das Gemeinschaftsgefühl und die Kommunikation. Vor allem wenn Gäste anwesend sind, fühlt sich der Pflegebedürftige auf diese Weise weniger ausgegrenzt und kann am alltäglichen, bunten Treiben während der Mahlzeiten teilnehmen. Besonders dann, wenn eine Altersdepression droht oder besteht, sollten Sie als Pflegender einen gesteigerten Wert auf das Essen bei Tisch legen. Dieses trägt außerdem dazu bei, den Tagesablauf zu strukturieren.

Körperliche Einschränkungen bei Tisch ausgleichen

Gleichgewichts- und Bewegungsstörungen sind häufige Gründe dafür, dass Pflegebedürftige dazu gezwungen sind, ihre Mahlzeiten im Bett zu sich zu nehmen – dabei lassen sich viele körperliche Einschränkungen durch die richtigen Hilfsmittel ausgleichen.

Um eine ungestörte Essensaufnahme zu ermöglichen, sorgen Sie zunächst für einen sicheren Sitz des Pflegebedürftigen. Essstühle sollten Armlehnen haben, die es dennoch ermöglichen nah an den Tisch heran zu rutschen. Sie verhindern, dass die Person die auf dem Stuhl sitzt, zu den Seiten herunterfallen kann. Hat der Pflegebedürftige außerdem Probleme den Oberkörper selbstständig aufrecht zu halten, können gut angepasste Fixierungsgurte Abhilfe schaffen, damit sich der Betroffene ganz auf das Essen konzentrieren kann.

Bei einer eingeschränkten Feinmotorik, zum Beispiel durch einen Schlaganfall oder Parkinson, verrutschen häufig Teller und Gläser. Nutzen Sie in diesem Fall eine rutschfeste Unterlage, um Geschirr möglichst an seiner Position zu halten. Verzichten Sie auf Tischdecken, die verrutschen können. Neigt Ihr Angehörige außerdem zum Kleckern beim Essen, könnte es ihm unangenehm sein, die Tischdecke zu beschmutzen. Vor allem Menschen, die sehr auf Sauberkeit und gute Tischmanieren bedacht sind, haben in Situationen wie diesen Hemmungen beim Essen, weil Sie das Gefühl haben dem Pflegenden zusätzliche Arbeit zu machen, gar zur Last zu fallen.

Eine angenehme Atmosphäre schaffen

In einem vorangegangenen Abschnitt haben wir uns bereits mit dem Gemeinschaftsgefühl beschäftigt, das durch das gemeinsame Essen bei Tisch gefördert wird. Um dieses weiter zu unterstützen, ist es unabdingbar auch eine angenehme Atmosphäre in der Essens-Situation zu schaffen.

  • Eine feste Essenszeit vermittelt das Gefühl von Sicherheit und vermeidet unnötige Diskussionen.
  • Servieren Sie alle Speisen bei Tisch und stellen Sie diese möglichst dazu. Die vollen Schüsseln machen Hunger auf mehr.
  • Verteilen Sie beim Frühstück buntes Obst auf dem Tisch, das zum Naschen einlädt.
  • Das Auge isst mit: Essbare Dekoration auf dem Teller macht Appetit.
  • Stellen Sie Getränke bereit, damit Sie während des Essens nicht aufstehen müssen. Solange Sie und Ihr Angehöriger essen, sollten Gläser stets gefüllt sein.
  • Schneiden Sie, falls nötig, Nahrung erst während des Essens und vor den Augen des Angehörigen klein, damit er den Originalzustand des Essens noch sehen kann. Dies fördert den Appetit.
  • Maßregeln Sie Ihren Angehörigen nicht, wenn er kleckert oder mit dem Essen spielt. Verzichten Sie auf übertriebene Tischmanieren. Demenzerkrankten fällt es zum Beispiel schwer, mit Besteck zu essen – sie nehmen die Nahrung lieber mit den Fingern zu sich.
  • Beginnen und beenden Sie das Mahl gemeinsam, vielleicht durch ein kleines Ritual, wie gemeinsames Anstoßen, ein Tischgebet sprechen oder sich die Hände reichen.

 

Quellen

  1. Barden, Ingeburg: Der große Caritas Ratgeber – Hauskrankenpflege,Stuttgart, 2010, Seite: 202