Im Bett bewegen

Rückenschonendes Bewegen von Pflegebedürftigen

Rebecca Goldbach | 1. September 2014

Wenn Ihr Angehöriger Schwierigkeiten mit dem Bewegen im Bett hat, gibt es mehrere Hilfsmittel, die ihm dabei helfen können. Wenn die Bewegungsfähigkeit völlig eingeschränkt ist und Sie ihn oder sie unterstützen müssen, achten Sie vor allem auf rückenschonendes Vorgehen.
Im Bett bewegen

Bewegungseingeschränkte Mensch in einem Bett zu bewegen, ist nicht leicht. Deshalb ist der Gebrauch von Hilfsmitteln ratsam. | Foto: © Gina Sanders – Fotolia.com

Wenn Ihr Angehöriger bettlägerig wird, ist es wichtig, seine Bewegungsfähigkeit mittels Übungen und Maßnahmen der Mobilisation zu bewahren. Kleine Herausforderungen wie selbstständiges Übernehmen verschiedener Tätigkeiten bei der Körperpflege oder Nahrungsaufnahme können helfen, eine vollständige Bewegungsunfähigkeit so lang wie möglich hinauszuzögern.

Hilfsmittel nutzen

Ist Ihr Angehöriger noch in der Lage, sich weitestgehend allein im Bett zu bewegen, helfen verschiedene Gerätschaften beim Aufrichten oder dem Positionswechsel. Diese Hilfsmittel werden oft von der Kasse übernommen, denn sie erhalten ein Stück der Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen und erleichtern die pflegerischen Tätigkeiten. Sie sollten Ihrem Angehörigen genau erklären, wozu die Hilfsmittel dienen, und wie er oder sie diese nutzen kann. Bewahren Sie dabei Ruhe und leisten Sie Unterstützung, wenn die Nutzung nicht direkt beim ersten Mal klappt.

Es wird zwischen „technischen“ und „kleinen“ Hilfsmitteln unterschieden. Zu den technischen Hilfsmitteln gehört zum Beispiel das Pflegebett. Das Pflegebett bietet laut dem Bundesministerium für Gesundheit viele Vorteile. Es ist je nach Größe der Pflegeperson und nach Art der Pflegehandlung höhenverstellbar, was wichtig für rückenschonendes Arbeiten ist. Um es Ihrem Angehörigen so bequem wie möglich zu machen, und Ihnen die Aufgabe des Umlagerns zu erleichtern, können Sie das Kopf- und Fußende beliebig verstellen. Ist er oder sie mobil genug, kann ein Bettbügel (Achtung, nicht bei Schlaganfallpatienten anwenden!) oder eine Strickleiter am Bett hilfreich für selbstständiges Aufrichten sein. Sollte Ihr Angehöriger befürchten aus dem Bett zu fallen, können Seitengitter angebracht werden. Pflegebetten gibt es in verschiedenen Modellen, die oft aussehen wie normale Betten. Ist die Pflegebedürftigkeit anerkannt, kann ein solches Pflegebett von der Kasse geliefert werden.

Zu den kleinen Hilfsmitteln gehören zum Beispiel Antirutschmatten, Gleitmatten oder Strickleitern. Antirutschmatten sind kleine Matten aus Gummi, die zum Beispiel unter die Füße des Pflegebedürftigen gelegt werden können, damit dieser sich darauf abstützen und selbstständig hochschieben kann. Im Gegensatz dazu hilft die Gleitmatte, die meist eine weiche Stoffoberfläche hat, den Reibungswiderstand zu verringern, damit der Pflegebedürftige seine Position leichter ändern kann. Beim Aufrichten kann zudem eine Strickleiter, auch Bettleiter genannt, helfen. Diese wird am Fußende des Bettes befestigt und an der Bettseite entlang gelegt, so dass der Pflegebedürftige sich selbstständig daran aufrichten kann. Diese Hilfsmittel können auch miteinander kombiniert werden.

Auf kräfteschonendes Arbeiten achten

Wenn Ihr Angehöriger beim Bewegen im Bett auf Ihre Hilfe angewiesen ist, sollten Sie dabei immer auf eine rückenschonende Vorgehensweise achten. Die dafür nötigen Handgriffe lernen Sie beispielsweise in einem Pflegekurs, der von Pflegekassen oder Pflegestützpunkten angeboten wird. Meist wird dort auf die Grundsätze der Kinästhetik geachtet, die eine Balance zwischen Unterstützung des Pflegenden und Schonung der eigenen Kräfte ermöglichen helfen.

Wichtig ist, dass Sie sich nicht überschätzen. Nehmen Sie in Kauf, dass schonende Vorgehensweisen eventuell länger dauern, denn schnelles Heben kann ernsthafte Bandscheibenschäden hervorrufen.

Weitere Hilfestellungen

Euk-info.de hat einige Tipps zusammengestellt, die Ihren Rücken beim Bewegen Ihres Angehörigen entlasten:

  • Kündigen Sie alle Pflegehandlungen an, damit Ihr Angehöriger, auch wenn er vielleicht nicht aktiv mithelfen kann, zumindest nicht dagegen arbeitet.
  • Führen Sie alle Tätigkeiten ruhig und gleichmäßig durch und vermeiden Sie ruckartige Bewegungen.
  • Ausgangsstellung ist entweder die Grätsch- oder die Schrittstellung. Stellen Sie Ihre Beine dabei immer hüftbreit, um einen möglichst festen Stand zu haben, und beugen Sie leicht die Knie, um das Gewicht Ihres Angehörigen gut abfedern zu können.
  • Gehen Sie so nah wie möglich an Ihren Angehörigen heran. Bewegen Sie ihn oder sie durch das Verlagern Ihres Gewichts von einem Bein auf das andere oder durch Drehbewegungen der Hüfte und des Oberkörpers, nie durch das Bewegen der Wirbelsäule!
  • Spannen Sie bei diesen Bewegungen Bauch- und Rückenmuskulatur an, um die Wirbelsäule zu stärken und in ihrer natürlich Form zu halten.
  • Heben Sie Ihren Angehörigen generell so wenig wie möglich. Versuchen Sie stattdessen, die Körperpartien nacheinander durch sachten Schieben, Ziehen oder Rollen zu bewegen. Dabei bieten sich oben genannte Hilfsmittel an.

Sorgen Sie dafür, dass Sie genügend Platz zum Arbeiten haben, sich keine Stolperfallen wie Teppichkanten in der Nähe des Bettes befinden, und sie rutschfeste Schuhe tragen. Sollte eine zweite Person zum Bewegen nötig sein, sprechen Sie sich immer VOR der Bewegung genau ab. Vor allem aber: Reden Sie währenddessen immer mit Ihrem Angehörigen, damit er oder sie sich ernst genommen fühlt.

 

Quellen

  1. Mobilisation unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Mobilisation (abgerufen am 02.05.2014)
  2. Kleine Hilfsmittel erleichtern die häusliche Pflege unter: http://www.gesundheitsdienstportal.de/files/Kleine-Hilfsmittel-erleichtern-die-h%C3%A4us1.pdf (abgerufen am 28.05.2014)
  3. Sicheres Arbeiten in der häuslichen Pflege unter: http://www.euk-info.de/fileadmin/PDF_Archiv/Regelwerk_Archiv/GUV-I/GUV-I_8514-Juli_2001.pdf (abgerufen am: 28.05.2014)
  4. BMG: Pflege zu Hause, Berlin 2014, S. 23 – 27; 45 – 58.