Trauer verarbeiten

Wenn geliebte Menschen von uns gehen

Jennifer Albrecht | 3. September 2014

Trauer ist ein Prozess, der bei jedem Menschen anders abläuft. Dennoch ist es hilfreich, sich im Vorfeld mit dem Thema auseinander zu setzen. So können Sie später besser mit der eigenen Trauer oder der eines geliebten Menschen umgehen.
Trauer verarbeiten

Auch wenn Trauer bei jedem Menschen anders abläuft, ist es dennoch hilfreich, sich über den Prozess zu informieren. Das kann Ihnen später helfen. | Foto: © Gina Sanders – Fotolia.com

In unserer Gesellschaft ist es noch immer ein Tabu, über den Tod zu sprechen. Und das obwohl er ein fester Bestandteil unseres Lebens ist. Sei dies, weil wir selbst irgendwann sterben werden, oder weil wir im Laufe unseres Daseins geliebte Menschen aufgrund von Krankheit, Alter oder Unfällen verlieren.

Wer einen geliebten Menschen verliert, wird zunächst mit einer ganzen Flut von Emotionen konfrontiert. Wann und in welcher Intensität diese Emotionen auftreten, ist von Person zu Person unterschiedlich. Entsprechend sind bestehende Modelle über das Trauern nicht allgemeingültig. Sie geben dennoch einen guten Überblick über den Prozess und helfen, sich darauf vorzubereiten.

Die Phasen des Trauerns

Das in den 1960er Jahren formulierte Modell des Sterbens von Elisabeth Kübler-Ross wurde 1982 von Verena Knast angepasst und zu einem Trauerprozess in vier Phasen zusammengefasst. Wie und ob diese Phasen alle durchlebt werden, ist von Person zu Person unterschiedlich.

Phase 1 – Nicht-Wahrhaben-Wollen

Der Trauernde befindet sich nach der tödlichen Diagnose oder dem Tod eines geliebten Menschen in einer Art Schock-Zustand. Dieser kann sich durch Apathie, einem Zusammenbruch oder Hilf- und Ratlosigkeit bemerkbar machen. Für diesen Zustand gibt es unterschiedlichste Bewältigungsmöglichkeiten. Grundsätzlich: Alles, was Abhilfe verschafft, ist erlaubt.
Dieser Zustand kann, abhängig davon wie plötzlich der Tod aufgetreten ist, mehrere Tage oder Wochen andauern.

Phase 2 – Aufbrechende Emotionen

Starke Emotionen treten zu Tage und das häufig völlig durcheinander. Von Trauer über Wut und Zorn bis hin zu Angstgefühlen oder gar Freude kann alles vertreten sein. Die Frage nach dem Warum tritt auf und es werden Schuldige gesucht, wie Pflegepersonal oder Ärzte. Wie genau diese Phase aussieht, hängt häufig auch davon ab, wie das Verhältnis des Trauernden zum Verstorbenen war.
Generell hilft es in dieser Phase vor allem, die aufbrechenden Emotionen zuzulassen. In einem solchen Fall Gefühle zu zeigen, ist niemals ein Zeichen von Schwäche. Das Verdrängen von Gefühlen könnte sogar dazu führen, dass diese Phase nur sehr langsam überwunden werden kann.

Phase 3 – Suchen, Finden und Sich-Trennen

Die dritte Phase ist häufig davon geprägt, dass der Verstorbene im Alltag gesucht wird – sei das in Zimmern, auf Fotos oder in Träumen. Immer wieder sieht sich der Trauernde jedoch mit der Realität konfrontiert. In diesem Zuge beginnt auch eine Suche nach einem neuen Sinn seines Lebens, ohne den Verstorbenen an der Seite zu haben.
In dieser Phase kommen die Trauernden häufig an einen Punkt, an den sie beginnen neue Pläne zu schmieden und sich Vorstellungen vom weiteren Leben zu führen. Dieser Punkt kommt niemals zu früh oder zu spät – Schuldgefühle sind hier also völlig fehl am Platz. Jeder Trauernde muss seinen Weg für sich gehen.

Phase 4 – Neuer Selbst- und Weltbezug

Der Verlust des geliebten Menschen wurde insofern akzeptiert, dass der verlorene Mensch nun zu einer inneren Figur geworden ist. Situationen, die vorher nur mit dem Verstorbenen möglich zu sein schienen, sind nun auch ohne ihn akzeptabel und machbar.
Der Trauernde kann sich nun auf neue Rollen, neue Lebensstile oder auch neue Beziehungen einlassen. Zwar weiß er, dass alles Vergänglich ist, aber diese Vergänglichkeit wird akzeptiert, da er weiß, dass diese überwunden werden kann.

 

Quellen

  1. Barden, Ingeburg: Der große Caritas-Ratgeber – Hauskrankenpflege, Stuttgart, 2010, S. 299-301.
  2. Pflege-ABC – Sterbebegleitung unter http://www.pflege-abc.info/pflege-abc/kategorie/s/artikel/sterbebegleitung.html (abgerufen am 10.03.2014)
  3. Trauer unter http://de.wikipedia.org/wiki/Trauer (abgerufen am 10.03.2014)