Die Phasen des Sterbens

Prozess und Bewältigungsmöglichkeiten

Jennifer Albrecht | 3. September 2014

Wie auch die Trauer ist das Sterben und die Akzeptanz dessen ein Prozess, der jeden Betroffenen anders treffen kann. Dennoch gibt es Modelle, die den Sterbenden und auch den Angehörigen Aufschlüsse geben können, wie mit der Situation umgegangen werden kann.
Phasen des Sterbens

Die Erkenntnis, dass der eigene Tod bevorsteht, erschüttert jeden. Verschiedene Modelle versuchen, zu helfen und zu informieren. | Foto: © karepa – Fotolia.com

Wer eine tödliche Diagnose erhält, durchläuft häufig einen bestimmten Prozess, der von den verschiedensten Emotionen geprägt ist. Schock und Unverständnis, Ablehnung und Depressionen gehören alle zu diesem Prozess hinzu. Nicht jeder Mensch verhält sich nach der Diagnose gleich, ganz im Gegenteil. Dennoch lassen sich Modelle formulieren, die den Prozess des Sterbens beschreiben können.

Auch wenn es schwer fällt: pflegenden Angehörigen ist es anzuraten, sich schon vorher damit zu beschäftigen, wie der Pflegebedürftige auf eine tödliche Diagnose reagieren könnte. So haben sie die Möglichkeit Strategien zu entwickeln bzw. Rat zu erhalten, wie sie auf die Gefühle und das Verhalten des Sterbenden reagieren können und sollten.

Die Phasen des Sterbens

Elisabeth Kübler-Ross formulierte bereits in den 1960er Jahren ein Modell mit den Phasen des Sterbens, das auch heute noch als anerkanntes Modell Anwendung findet. Das Modell ist jedoch nicht als Schema zu betrachten, das auf jeden gleichsam angewendet werden kann. Manche Sterbende durchlaufen die Phasen in einer anderen Reihenfolge, manche lassen einige Phasen aus oder durchlaufen sie gar nicht.

Phase 1 – Nicht-Wahrhaben-Wollen

In der ersten Phase erfährt der Betroffene die tödlich Diagnose, auf der er häufig zunächst mit Schock und Entsetzen reagiert. Es kommen Fragen nach dem Warum auf, es werden Schuldige gesucht, die Diagnose wird geleugnet.
Als Angehöriger können Sie in dieser Situation häufig nur zuhören und das Verhalten ihres Lieben akzeptieren. Auch Sie werden keine Antworten auf die ihn quälenden Fragen finden.

Phase 2 – Auflehnung, Wut, Aggression

Erkennt der Betroffene, dass die Ablehnung der Diagnose keinen Sinn hat, reagiert er darauf mit starken Emotionen. Er wird wütend auf sich, auf die Welt, auf Gott. Diese Wut kann in Aggressionen und ungerechtem Verhalten enden.
Ein solches Verhalten ist für die Angehörigen häufig schwer zu ertragen. Versuchen Sie möglichst ruhig zu bleiben und nichts persönlich zu nehmen. Sie tragen keine Schuld an der Situation. Ihnen bleibt nur, dem Sterbenden Beistand zu leisten.

Phase 3 – Verhandeln mit dem Tod und dem Schicksal

In dieser Phase kommt beim Betroffenen häufig der Wunsch nach mehr Zeit auf. Er will mehr Zeit, um sich noch offene Wünsche zu erfüllen oder Angelegenheiten zu klären. Gleichzeitig sucht er nach alternativen Behandlungsmöglichkeiten, in der Hoffnung eine Heilung zu finden.
Sie sollten in diesem Falle vermeiden, Ihrem Angehörigen falsche Hoffnungen zu machen. Gleichzeitig sollten Sie diese Hoffnungen nicht unnötig zerstören. Bleiben Sie also realistisch.

Phase 4 – Verzweiflung und Depression

Der Betroffene erkennt, dass der Tod unausweichlich ist. Dies kann sich in Verzweiflung und schweren Depressionen äußern. Der Sterbende spürt Reue über Dinge, die in der Vergangenheit passiert sind, er ist traurig darüber, dass viele Dinge für ihn nicht mehr möglich sein werden.
Seien Sie ehrlich mit Ihrem Angehörigen und vertrösten Sie ihn nicht unnötig mit Sätzen wie „Das wird schon wieder“. Das ist hier kontraproduktiv.

Phase 5 – Akzeptanz

Der Sterbende ergibt sich seinem Schicksal oder entscheidet sich bewusst, die Tatsachen zu akzeptieren. Häufig wird diese Phase vom Bedürfnis des Betroffenen nach Ruhe begleitet.
Geben Sie Ihrem Angehörigen diese Ruhe, aber lassen Sie ihn nicht allein. Versuchen Sie ein gesundes Verhältnis von Ruhe und Gesellschaft zu finden. Häufig hilft es Ihrem Angehörigen, wenn er spürt, dass Sie für ihn da sind.

 

Quellen

  1. Barden, Ingeburg: Der große Caritas-Ratgeber – Hauskrankenpflege, Stuttgart, 2010, S. 299-301.
  2. Pflege-ABC – Sterbebegleitung unter http://www.pflege-abc.info/pflege-abc/kategorie/s/artikel/sterbebegleitung.html (abgerufen am 10.03.2014)
    Trauer unter http://de.wikipedia.org/wiki/Trauer (abgerufen am 10.03.2014)